Historischer Verein für Ermland e. V.

 

Der Historischen Verein für Ermland e.V. wurde 1856 in Frauenburg gegründet. Der Vereinszweck war die Erforschung der Geschichte und Altertümer Ermlands sowohl in bürgerlicher als in kirchlicher Beziehung auf rein wissenschaftlichem Boden.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Verein - nun getrennt vom Herkunftsgebiet - 1955 wiederbegründet. Der Arbeitsbereich des Vereins wurde ausdrücklich auf die wissenschaftliche Erforschung der Kirchengeschichte des gesamten alten Preußenlandes ausgedehnt und auch die Kulturgeschichte einbezogen.

Geschichte
Aufgaben
Publikationen
Tagungen
Bibliothek
Mitgliedschaft

Homepage des Historischen Vereins für Ermland e.V.


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Geschichte

Der Historische Verein für Ermland e. V. wurde 1856 in Frauenburg am Frischen Haff, dem Sitz der Diözese Ermland, von Gelehrten der Braunsberger Bildungsanstalten und der ermländischen Kurie gegründet. Damit schufen sie für das Gebiet der Diözese und des Hochstifts, das seit dem 13. Jahrhundert im Rahmen des Deutschordensstaates und des Königlich-Polnischen Preußen eine gewisse Sonderentwicklung genommen hatte, die erste historische Forschungseinrichtung in den Provinzen Ost- und Westpreußen. Der erste Vorsitzende, Domherr Anton Eichhorn, und sein Sekretär Andreas Thiel, der spätere Bischof von Ermland, gewannen die Vereinsmitglieder aus dem ermländischen Klerus.

Seit der Jahrhundertwende ging der Anteil der Geistlichen unter den Vereinsmitgliedern langsam zurück, während der der Lehrer anstieg. Der Schwerpunkt der Forschung verlagerte sich von der Kirchengeschichte zur allgemeinen Geschichte des Ermlands. Der Verein öffnete sich nach dem Ersten Weltkrieg auch der Pflege der Heimatkunde.

Der Zweite Weltkrieg lähmte die Vereinsarbeit, und die Katastrophe des Jahres 1945 setzte ihr ein vorläufiges Ende. Mit dem Verlust seiner Sammlungen verlor der Verein sämtliche Arbeitsmöglichkeiten.

Anfang 1955 wurde er auf Initiative des seit 1937 amtierenden Vorsitzenden Hans Schmauch wiederbegründet und nahm seinen Sitz in Münster i. W., der Patenstadt von Braunsberg. Eine Anbindung an ein wissenschaftliches Institut besteht nicht. Die Mitgliederstruktur hat sich gegenüber der Vorkiegszeit merklich gewandelt; etwa ein Viertel der gegenwärtig rd. 400 Mitglieder sind Frauen. Seit dem Tode von Hans Schmauch im Jahre 1966 waren Ernst Manfred Wermter (1967-1971) und Brigitte Poschmann (1971 -1989) Vorsitzende. Im Jahre 1981 trat der Verein mit einem Festakt an die Öffentlichkeit, als er im historischen Rathaus in Münster im Beisein des damaligen ermländischen Weihbischofs Jan Obłąk und des heutigen Erzbischofs von Ermland Edmund Piszcz sein 125jähriges Jubiläum feierte.



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Aufgaben

Der Vereinszweck war nach den Statuten vom 8. Juli 1857 "die Erforschung der Geschichte und Altertümer Ermlands sowohl in bürgerlicher als in kirchlicher Beziehung (...) auf rein wissenschaftlichem Boden".

Nach dem Zweiten Weltkrieg hat die Trennung vom Herkunftsgebiet seiner Mitglieder das Aufgabenprofil und die praktische Arbeit des Vereins nachhaltig verändert. Bei der Wiederbegründung 1955 wurde der Arbeitsbereich des Vereins in der neuen Satzung ausdrücklich auf die wissenschaftliche Erforschung der Kirchengeschichte des gesamten alten Preußenlandes (bzw. Ost- und Westpreußens) ausgedehnt und auch die Kulturgeschichte einbezogen, was in seinen Publikationen ohnehin seit Anbeginn der Fall gewesen war. An die Stelle der Heimatgeschichte, die in der Zwischenkriegszeit und den ersten Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg Bedeutung erlangt hatte, trat nach und nach eine Geschichtsforschung, die sich den Zielen und Methoden der modernen Regionalgeschichtsforschung verpflichtet weiß. Die teilweise deutschtumsgeprägte Geschichtsauffassung seit der Jahrhundertwende ist einer von nationalen Engführungen freien Forschung über das Ermland und die altpreußischen Bistümer gewichen, deren Geschichte eng mit der Geschichte Polens und Litauens verflochten ist. Dementsprechend suchte der Verein - neben der traditionellen Zusammenarbeit mit der Historischen Kommission für ost- und westpreußische Landesforschung und mit dem 1958 von Hans Schmauch mit- begründeten Institut für ostdeutsche Kirchen- und Kulturgeschichte - seit dem Copernicusjahr 1973 engeren Kontakt mit der polnischen Forschung.

Die politischen Veränderungen seit 1989/90 in Ostmitteleuropa erleichtern den freien wissenschaftlichen Diskurs und die Zusammenarbeit mit Historikern an den Universitäten und wissenschaftlichen Einrichtungen in Polen und Litauen.



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Publikationen

Mit der Reihe Monumenta historiae Warmiensis und der Zeitschrift für die Geschichte und Altertumskunde Ermlands schuf sich der Verein die Organe, in denen er Quellen und Ergebnisse der historischen Forschung der Öffentlichkeit zugänglich machte. Von 1858 bis 1943 sind in 85 Jahresheften 28 Bände der Zeitschrift erschienen. Von 1982 bis 1999 sind die Bände 1-24 nachgedruckt worden. Die Register zu Band 1-23 wurden 1980 nachgedruckt, das Register zu Band 24-28 erschien 1978.

Von den Monumenta konnten in den drei Abteilungen von 1860-1937 13 Bände herausgebracht werden. Während die Quellenreihe nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr fortgesetzt wurde, erscheint die Zeitschrift seit 1956 wieder regelmäßig, zunächst jährlich, seit den siebziger Jahren durchschnittlich alle zwei Jahre alternierend mit den Beiheften, in denen monographische Abhandlungen veröffentlicht werden. Bis einschließlich 2000 sind die Bände 29 bis 49 der Zeitschrift sowie 15 Beihefte erschienen.

Volkskundliche und familiengeschichtliche Arbeiten von Vereinsmitgliedern wurden auch in den Geschichtsbeilagen ermländischer Zeitungen veröffentlicht, so seit 1921 in der Beilage der Ermländischen Zeitung: Unsere ermländische Heimat. Unter dem gleichen Titel erscheint seit 1955 viermal jährlich das Mitteilungsblatt des Vereins im Umfang von vier Seiten im Rahmen der vom Visitator Ermland in Münster herausgegebenen Ermlandbriefe.

Über die Veröffentlichungen des Vereins (einschließlich kleiner Schriften und historischer Karten) informiert ein gesondertes Verzeichnis.



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Tagungen

In Verbindung mit der mindestens alle zwei Jahre einzuberufenden Mitgliederversammlung veranstaltet der Verein wissenschaftliche Tagungen für Mitglieder und Interessenten.



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Bibliothek

Die Bibliothek des 1856 gegründeten Historischen Vereins für Ermland wurde bis zur Vertreibung von der Bibliothek der Staatlichen Akademie in Braunsberg verwaltet. Sie verbrannte am Ende des Zweiten Weltkriegs. Der erste Vorsitzende des 1955 wiederbegründeten Vereins – Hans Schmauch – ging seit 1956 daran, eine neue Vereinsbibliothek aufzubauen. Durch Schenkungen und Ankauf aus Antiquariatsangeboten hatte die Bibliothek bereits 1961 einen ansehnlichen Umfang erreicht und konnte nicht länger in der Privatwohnung des Vereinsvorsitzenden untergebracht bleiben. Sie wurde deshalb im neu errichteten Ermlandhaus in Münster in zwei Kellerräumen, die der Kapitularvikar, seit 1972 der Apostolische Visitator für Ermland, dem Historischen Verein zur Verfügung stellte, untergebracht und war als Präsenzbibliothek am Ort nur nach Vereinbarung, d.h. nach vorheriger Anmeldung, nutzbar.

Seit 1956 sind mehr als 5.000 Buch- und Zeitschriftenbände zum Ermland, über Ost- und Westpreußen sowie zur katholischen Kirchengeschichte, davon gut ein Viertel in polnischer Sprache, aus Nachlässen (zuletzt der Nachlass von Dr. Brigitte Poschmann) sowie durch Schriftentausch, d.h. als Gegengabe für Vereinspublikationen, zusammengetragen worden, darunter wertvolle Teilbestände wie der Nachlass Hippler und – im Ermlandhaus verbliebene - Kirchenbuchabschriften. Hinzu kommen noch Manuskripte und andere Archivalien und das Vereinsarchiv, die erst nach der Sichtung durch den Vorstand der Martin-Opitz-Bibliothek übergeben werden sollen. Durch ein befristetes Projekt konnte vor einigen Jahren etwa die Hälfte des Bestands katalogisiert werden. Die katalogisierten Titel wurden bis vor kurzem über den 2008 nicht weiter als Sonderkatalog geführten Instituts-Katalog der Universitäts- und Landesbibliothek Münster im Internet nachgewiesen.

Zu keiner Zeit stand ein Erwerbungsetat zur Verfügung. Ein systematischer Bestandsausbau konnte deshalb nicht stattfinden. Trotzdem ist in dem halben Jahrhundert der Existenz der Bibliothek durch Geschenk und Tausch, also nach dem Zufallsprinzip, einer der besten Spezialbestände zum Ermland überhaupt zusammengekommen, der aber nur unvollständig erschlossen und – ohne feste Öffnungszeiten – nur bedingt zugänglich war.

So hat im Dezember 2008 der Historische Verein für Ermland die Buch- und Zeitschriftenbestände der in seinem Eigentum befindlichen Ermland-Bibliothek aus dem Ermlandhaus als Dauerleihgabe der Martin-Opitz-Bibliothek in Herne übergeben, um Zugänglichkeit und Benutzbarkeit zu verbessern.

Die Ermland-Bibliothek existiert als Sonderbestand innerhalb der Martin-Opitz-Bibliothek weiter, ist weiterhin als Besitz des Historischen Vereins eindeutig identifizierbar, nur eben leichter zugänglich. Sie wird laufend katalogisiert, ihre Benutzung wird durch den Service der Martin-Opitz-Bibliothek wesentlich erleichtert.

Vier Tage in der Woche, von Montag bis Donnerstag (außer an Feiertagen), ist die Martin-Opitz-Bibliothek für Benutzer(innen) von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Die Katalogdaten sind über die Web-Seite der Martin-Opitz-Bibliothek vorab recherchierbar, die Bestände der Ermland-Bibliothek stehen unter der Signatur HVE zusammen (und sind als solche auch über den Katalog recherchierbar).

Alle Ermländerinnen und Ermländer sind eingeladen, das Angebot von Ermland-Bibliothek und Martin-Opitz-Bibliothek zu nutzen. Die Benutzung am Ort ist kostenlos, für Kopien usw. gilt die Entgeltordnung der Martin-Opitz-Bibliothek.

Martin-Opitz-Bibliothek, Berliner Platz 5, 44623 Herne, Tel. 0 23 23 / 16 28 05, Fax: 0 23 23 / 16 26 09, Email: information.mob@herne.de, Information: www.martin-opitz-bibliothek.de
Ansprechpartner: Dr. Wolfgang Kessler, Dr. Hans-Jakob Tebarth, Mgr. Bernhard Kwoka



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Mitgliedschaft

Mitglied des Vereins kann jeder werden, der die Ziele des Vereins fördern will. Der Jahresbeitrag beträgt 33,-- € (Ermäßigung ist in besonderen Fällen möglich). Als kostenlose Jahresgabe erhalten die Mitglieder jeweils einen Band der Zeitschrift für die Geschichte und Altertumskunde Ermlands.

Historischer Verein für Ermland, Anschrift des Vorsitzenden
Vorsitzender: Dr. Hans-Jürgen Karp, Brandenburger Str. 5, 35041 Marburg, Tel. 0 64 21 / 81 193, e-mail: karp@mailer.uni-marburg.de
Interessierte wenden sich bitte an den Vorsitzenden.


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