Ermlandbriefe (1/2014)
Katechismus-Ecke - Ostern 2014


Impulse zur Glaubensvertiefung (6)

Jesus in unserer Mitte

Von Pastor Lic. iur. can. Clemens Bombeck, Prodekan des Ermländischen Konsistoriums

Liebe Leserinnen und Leser der Ermlandbriefe!

Auf dem Weg zu einer Vertiefung unseres Glaubens stellte ich Ihnen in der letzten Ausgabe der Ermlandbriefe die Bitte Jesu „Alle sollen eins sein“ aus seinem sog. „Hohenpriesterlichen Gebet“ vor. Eng verbunden mit diesem Wort ist die Verheißung Jesu: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“ (Mt 18, 20). Vielen von Ihnen dürfte dieses Wort Jesu sehr vertraut sein, zumal es doch auch immer wieder gern bei unterschiedlichen Gelegenheiten als Kanon gesungen wird.

Die Zusage Jesu „Wo zwei oder drei …“ findet sich am Ende der vom Evangelisten Matthäus zusammengestellten kleinen Gemeindeordnung (Mt 18, 15-20), in der es um die Frage geht: „Was ist wichtig im Umgang miteinander? Wie müssen wir leben, wenn einer dem anderen schuldig geworden ist?“ Beim Betrachten der Impulse habe ich deutlich machen wollen, von welcher Art die Liebe war, die Jesus gelebt und uns als Beispiel hinterlassen hat. Seine Liebe war eine ganz besondere, ja einzigartige Liebe. Sie deckt sich nicht mit heute geläufigen Vorstellungen von Liebe. Sie ist nicht zu reduzieren auf Solidarität oder Sympathie, Freundschaft oder Zuneigung, auf Hingabe wie zwischen Eheleuten. Sie ist auch mehr als Gewaltlosigkeit. Die Art, wie Jesus liebt, ist die Antwort auf das, was Gott will. Diese Liebe hat der Herr einem jeden einzelnen in der Taufe geschenkt. Weil diese Liebe Gottes aber nur lebendig wird, wenn ich alles daran setze, sie ins eigene Leben umzusetzen, muss die Liebe gleichsam „mein Beruf“ sein, wie es auch die heilige Therese von Lisieux sagt.

In meinen letzten Impulsen habe ich bereits auf die gegenseitige Liebe als Maß des Lebens und damit als Richtschnur für einen jeden einzelnen wie auch für eine Gemeinschaft hingewiesen. Mit dem Wort „Wo zwei oder drei …“ gehen wir noch einen Schritt weiter: Nicht nur den anderen nach dem Maß und Vorbild Jesu lieben, d.h. immer den ersten Schritt auf den anderen tun, immer verzeihen, dem anderen in Liebe zugewandt sein. Dies bedeutet, dass ich die nötigen Schritte der Liebe gehe. In Jesu Wort „Wo zwei oder drei …“ klingt nun eine neue Melodie Jesu an: „Wenn jeder von euch in der Liebe ist und so ganz beim Nächsten ist, und wenn der Nächste in gleicher Weise liebend ganz bei Euch ist, so dass Ihr durch die gegenseitige Liebe vereint seid, dann ...“ - und das ist das Besondere an Jesu Wort „Wo zwei oder drei …“ - „... bin ich mitten unter Euch“. Die gegenseitige Liebe führt also zur Gegenwart des Herrn in unserer Mitte. Seine Gegenwart unter uns ist die Norm aller Normen, die Voraussetzung jeder anderen Regel für eine christliche Gesellschaft, ja sie erst „schafft“ das, was wir Kirche nennen. Ohne Ihn sind wir nicht, sind wir nicht Kirche und Gemeinde. Ohne Ihn ist jede pastorale Planung wertlos, ohne Ihn kann auch Ehe und Familie, kann Gesellschaft nicht gelingen. Mit Jesus in unserer Mitte beginnt das göttliche Leben unter uns zu kreisen und auszubreiten. Wenn das Ziel unseres Christseins das Streben nach Heiligkeit ist, dann sollte man bedenken: „Du kannst dir nicht den Luxus leisten, heilig zu werden, wenn der Heilige nicht unter euch ist. Es ist eine Illusion zu glauben, du könntest vollkommen werden, wenn der Vollkommene nicht unter euch ist.“

Die nächsten „Impulse zur Glaubensvertiefung“:

7: Jesus in seiner Verlassenheit am Kreuz
8: Das Wort nicht nur hören, sondern tun
9: Jesus – das Brot des Lebens




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Zuletzt geändert: 8. Januar 2016
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