Ermlandbriefe (3/2013)
Katechismus-Ecke - Sommer 2013


Impulse zur Glaubensvertiefung (4)

„Das Neue Gebot Jesu“

Von Pastor Lic. iur. can. Clemens Bombeck, Prodekan des Ermländischen Konsistoriums

Liebe Leserinnen und Leser der Ermlandbriefe!

Im „Jahr des Glaubens“, zu dem Papst Benedikt XVI. am 11. Oktober 2012 eingeladen hat und das durch Papst Franziskus weitergeführt wird, sind wir motiviert, über unseren Glauben nachzudenken und ihm neue Impulse zu geben. Heute stelle ich Ihnen etwas vor, das nach „Gesetz und Ordnung“ riecht. Denken wir jetzt nicht vielleicht (vorschnell?) an die vielen Gesetze, Verbote und Reglementierungen, die jedes Jahr von Parlamenten verabschiedet werden? Nicht einmal Juristen können sie alle im Blick behalten. Wer also mag schon „Gesetz und Ordnung“? Was ist nun mit dem Neuen Gebot Jesu gemeint?

In seinen Abschiedsreden, die der Evangelist Johannes überliefert und in das Geschehen beim letzten Abendmahl legt, sagt Jesus: „Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben. Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt“ (Joh 13, 34f). In diesem Wort begegnen wir einem der zentralen Weisungen des Herrn und damit einem wesentlichen Aspekt des Christseins. Es ist eng mit dem verbunden, was wir in den vergangenen Impulsen bereits erfahren konnten.

Wenn wir uns bemühen, Gott an die erste Stelle in unserem Leben zu setzen, indem wir seinen Willen tun, können wir manchmal den Eindruck bekommen, dass unser Leben eigentlich nur aus einer Kette möglichst vollkommen ausgeführter Tätigkeiten bestehen sollte. Das stimmt aber nicht.

Als Jesus Mensch wurde, ist er an die Stelle des Gesetzes im Alten Testament getreten. Er hat uns vom Joch des Gesetzes, wie der Apostel Paulus sagen würde, befreit, indem er uns sein neues Gebot gegeben hat, das für die neue Zeit bestimmt war, die mit ihm begann, und das typisch christlich ist, weil er es sein Gebot nennt: „Das ist mein Gebot: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe“ (Joh 15,12).

Jesus kam vom Himmel, aus der göttlichen Gemeinschaft der Dreifaltigkeit, deren Lebensweise die Liebe ist. Er kam gleichsam wie ein Entwicklungshelfer zu uns, um uns das zu bringen, was ihm wichtig erschien, und uns zu lehren, was er lebt und was sein Leben ausmacht. Er wollte also, dass die Menschen zueinander die gleiche Liebe haben, wie sie in der Dreifaltigkeit ist und wie er sie uns gegeben hat. An dieser gegenseitigen Liebe, um die es bei der Verwirklichung des Neuen Gebotes ja geht, soll man die Jünger Christi erkennen. Durch diese Liebe schaffen wir untereinander jene Einheit, die der Welt Gott bezeugt. Nur auf dem Hintergrund dieses Gebotes bekommen alle unsere Handlungen ihren eigentlichen Wert.

Ja sagen zu Gott und ihn lieben, indem man sich allein nach seinem Willen ausrichtet, indem man den Nächsten liebt, weil in ihm Gott uns begegnet, indem man das Neue Gebot - die gegenseitige Liebe - verwirklicht, bedeutet Ja sagen zum Kern des Evangeliums, zum Herzen des Christentums.

Die nächsten „Impulse zur Glaubensvertiefung“:

5: Alle sollen eins sein
6: Jesus in unserer Mitte
7: Jesus in seiner Verlassenheit am Kreuz
8: Das Wort nicht nur hören, sondern tun
9: Jesus – das Brot des Lebens




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Zuletzt geändert: 8. Januar 2016
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