Ermlandbriefe (1/2013)
Katechismus-Ecke - Ostern 2013


Impulse zur Glaubensvertiefung (2)

„JA zum Willen Gottes“

Von Pastor Lic. iur. can. Clemens Bombeck, Prodekan des Ermländischen Konsistoriums

Liebe Leserinnen und Leser der Ermlandbriefe!

Gleichsam mit Beginn des „Jahr des Glaubens“, das Papst Benedikt XVI. am 11. Oktober 2012 ausgerufen hat, habe ich in der Weihnachten-Ausgabe der Ermlandbriefe (2012 / 4) mit dem Artikel „Gott ist Liebe“ den Reigen der Impulse zur Glaubensvertiefung eröffnet.

Gott ist Liebe – dieses Bekenntnis des hl. Apostels und Evangelisten Johannes (1 Joh 4,7-16), so haben wir im ersten Impuls gesehen, ist gleichsam der Kern des christlichen Glaubens. Gott ist jedem Menschen zugewandt mit seinem ganzen Wesen. Gott ist Liebe - nicht auf sich selbst bezogen, denn dann wäre er nicht Liebe. Er ist - das macht gerade das Weihnachtsgeheimnis aus - ganz auf uns Menschen ausgerichtet mit einer Liebe, die alles grenzenlos übersteigt. Wenn ER mich so unendlich liebt, wie kann ich Ihm antworten? Worin besteht meine Liebe zu Ihm? Die Antwort finde ich in dem, was ich Ihnen nun als 2. Impuls zur Glaubensvertiefung vorstellen möchte: Mein JA zum Willen Gottes!

Wie oft hat jeder und jede von uns schon das Vaterunser gebetet. Da heißt es u.a.: „Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden“. Dies können wir aktiv wie auch passiv verstehen. Passiv: Ich überlasse mich ganz Gott; ER darf und kann machen mit mir, was Er will. In Seiner Liebe will Er ja nichts anderes, als dass es mir gut geht. So vertraue ich darauf, dass das, was Gott tut, immer „wohl getan“ ist, wie wir im Kirchenlied „Was Gott tut, das ist wohl getan“ singen (s. Gotteslob, Nr. 294). Aktiv, das heißt: Ich will auf Gottes Liebe mit meiner Liebe antworten, in dem ich nichts anderes mehr will, als das, was Er will: In Seinem Willen sein.

Nach dem Willen Gottes fragen - nach dem Willen Gottes Ausschau halten - den Willen Gottes tun: das ist aktive Antwort auf „Gott ist Liebe“. Den Willen Gottes zu leben, das hat Jesus uns vorgelebt. Für ihn gab es nichts anderes, als immer und ausschließlich nach ihm Ausschau zu halten: Weil ich Gott liebe – was ist Sein Wille? „Meine Speise ist es, den Willen dessen zu tun, der mich gesandt hat.“ (Joh 4,34). Bis in die entscheidende Stunde seines Lebens – im Garten Getsemani – gab es für Jesus nur das eine: „Vater, alles ist dir möglich. Nimm diesen Kelch von mir! Aber nicht, was ich will, sondern was du willst soll geschehen.“ (Mk 14,36) Wer Jesu Jünger sein will, der kann und will nicht anders leben und handeln als Jesus.

Bei Chiara Lubich habe ich einen schönen Gedanken gefunden, der mir hilft, mich wie Jesus auf den Willen Gottes aktiv wie passiv einzulassen:

»Auch für Dich hat die Liebe Gottes einen Plan erdacht, der Großes bewirken soll in Deinem Leben. Glaube es mir: Gott lebt in Dir! Gehe in Dich und suche ihn. Wenn Du wüsstest, wer in Dir lebt! Du würdest alles Übrige lassen, um diese kurze Existenz, die Dir jeden Tag mehr entflieht, ganz auf ihn auszurichten. Du würdest Gott in Deinem Herzen regieren lassen und alle Deine Fähigkeiten in seinen Dienst stellen. Gott wäre Deine Liebe, und Du könntest durch die Welt gehen und eine frohe Botschaft verkünden:

„Gott ist wirklich da; lebt für ihn! Nach diesem kurzen Leben wird nur noch Gott da sein; vertraut ganz auf ihn, liebt ihn! Hört in jedem Augenblick eures Lebens auf das, was er von euch will, und handelt danach mit der ganzen Begeisterung eurer Herzen. Verbraucht eure Kräfte für seinen Dienst. Vergeudet nicht eure Jugend, damit ihr euch nicht nach einem misslungenen Leben traurig eingestehen müsst: ‚Spät habe ich dich geliebt, du ewige und immer schöne Schönheit!‘“

Nein! Noch pulsiert neues Leben in mir und in Dir, noch schlägt unser Herz und kann leben. Noch ist es imstande, alle Hindernisse zu überwinden und seine Liebe zu bezeugen.

Jetzt liebe ich dich, mein Gott! Du bist alles für mich! Jetzt sage mir, was du willst, und ich tue es! Dein Wille ist meiner; ich will, was du willst.«

Die nächsten Impulse zur Glaubensvertiefung:

3: Liebe sein – zu allen

4: Das Neue Gebot Jesu

5: Alle sollen eins sein




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Zuletzt geändert: 8. Januar 2016
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