Ermlandbriefe (4/2012)
Katechismus-Ecke - Weihnachten 2012


Impulse zur Glaubensvertiefung (1)

„GOTT ist LIEBE“

Von Pastor Lic. iur. can. Clemens Bombeck, Prodekan des Ermländischen Konsistoriums

Liebe Leserinnen und Leser der Ermlandbriefe!

„Deutschland ist Missionsland!“ In nur noch vier der sieben größten Städte unseres Landes sind katholische und evangelische Christen zusammen in der Mehrheit; Tendenz ist sinkend. In Frankfurt sind es noch 47% der Bevölkerung, in Hamburg 42% und in Berlin sogar nur noch 31%, die einer christlichen Kirche angehören. Was für unser Land gilt, das ist auch in vielen anderen Ländern Westeuropas zu beobachten: Die Christen werden immer weniger; Europa entchristlicht sich, ein säkularer Geist bestimmt nahezu das gesamte gesellschaftliche Leben.

Bereits Papst Johannes Paul II. hat im Vorfeld des Heiligen Jahres 2000 zu einer Neuevangelisierung in der Kirche aufgerufen. Am 11. Oktober 2012 hat nun Papst Benedikt XVI. anlässlich der Jubiläumsfeier im Gedenken an die Eröffnung des II. Vatikanischen Konzils (11. 10. 1962) ein „Jahr des Glaubens“ ausgerufen. In Rom kamen über 300 Bischöfe aus der ganzen Welt zur Bischofssynode zusammen, um über neue Wege der Evangelisierung zu beraten.

Weil die Ursachen für den schwindenden Glauben so vielfältig sind, gibt es auch keine einfachen „Kochrezepte“ zur Neuevangelisierung. Ohne Zweifel gehört zum Glauben Wissen über das, was und warum Christen glauben. Hier muss man feststellen, dass vielen Menschen dieses Wissen abhanden gekommen ist. Haben die Älteren unter uns noch im schulischen Katechismusunterricht lernen und in einem christlich geprägten Umfeld leben können, was Christsein ist, so gibt es heute keinen Katechismusunterricht mehr, ist erlerntes und gelebtes Wissen heute nicht mehr präsent. Das Institut für Demoskopie in Allensbach hat ermittelt, dass der Säkularisierungsprozess in unserem Land bereits vor rund 100 Jahren begonnen und sich ab 1968 besonders rasant entwickelt hat.

Praktizierter Glaube ist rar geworden, Neuevangelisierung ist dringend geboten. Hier sind natürlich als erste die hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Diözese und Gemeinde herausgefordert, ferner alle Frauen und Männer, die sich in Liturgie und Gemeindepastoral aktiv einbringen. Die haupt- und ehrenamtlichen „Experten der Verkündigung“ sind nicht allein für die Mammutaufgabe „Weitergabe des Glaubens“ zuständig und verantwortlich; jede Christin und jeden Christ hat unser Herr Jesus Christus aufgerufen: „Geht in alle Welt, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern“ (Mt 28,19). Diese „Welt“ ist nicht irgendwo auf dem Globus; sie ist dort, wo man lebt: in der Familie, im Freundeskreis, am Arbeitsplatz, in der Gemeinde.

Wer überzeugt ist, kann überzeugen! Alles andere ist Heuchelei. Da man aber nur das verkünden kann, was man auch in seinem Herzen trägt, möchte ich Ihnen, liebe Leserin und lieber Leser, heute und in den weiteren Ausgaben der Ermlandbriefe kleine „Impulse zur Glaubensvertiefung“ anbieten. Diese mögen Ihnen helfen, den eigenen Glauben zu bedenken und zu vertiefen, damit Ihr gelebter Glaube zum Zeugnis für die anderen werde. Ob die anderen dann neu zu einem Glauben an Christus finden, ist und bleibt allein Werk des Heiligen Geistes, denn Säende sind wir, nicht Erntende!

In der Überschrift „GOTT ist LIEBE“ erkennen Sie den ersten Akzent meiner Impulse:

Gott ist Liebe – dieses Bekenntnis des hl. Johannes (1 Joh 4, 7-16) ist die Basis des christlichen Glaubens. Gott ist jedem Menschen zugewandt mit seinem ganzen Wesen, d.h. mit seiner Liebe, die alles Erdenkliche übersteigt. Gott ist Liebe - nicht auf sich selbst bezogen, denn dann wäre er nicht Liebe. Liebe ist immer eine Zuwendung auf einen anderen hin. Gott ist Liebe - damit wird über Gott gesagt, dass die Beziehungen innerhalb des dreifaltigen Gottes Liebe ist. Diese Liebe ist aber nicht „innergöttlich“ geblieben; vielmehr ist Gott in Jesus von Nazareth Mensch geworden. Das feiern wir Weihnachten wieder. Damit ist seine „göttliche“ Liebe zu einem Geschenk für einen jeden von uns geworden. In einem Weihnachtslied ist dies schön ausgesagt: „Da ich noch nicht geboren war, da bist du mir geboren und hast mich dir zu eigen gar, eh ich dich kannt, erkoren. Eh ich durch deine Hand gemacht, da hast du schon bei dir bedacht, wie du mein wolltest werden“ (Gotteslob, Nr. 141). Der Psalm 139 ist ein einzigartiges Loblied auf Gott, der Liebe ist. Lesen, besser noch: Beten Sie diesen Psalm einmal in aller Ruhe (Gotteslob, Nr. 755); lassen Sie sich von Gott ganz erfüllen, und antworten Sie ihm mit Ihrer Liebe zu ihm! Keine Sorge: Ihre Liebe zu ihm ist größer als Sie meinen!

Wenn uns immer mehr bewusst wird, dass Gott Liebe ist, dann müssen wir diese Liebe auch mit unserem Leben gegenüber den Mitmenschen bezeugen. Dann gilt es, möglichst vielen Menschen die Augen zu öffnen, damit auch sie das Glück entdecken, das sie besitzen und von dem sie oft nicht wissen. Sie sind nicht allein auf dieser Erde. Sie sind von der Liebe umgeben; sie haben einen Vater, der seine Kinder nicht einfach sich selbst überlässt, sondern sie auf ihrem Weg begleitet und beschützt und ihnen helfen will. Er lädt ihnen keine unerträglichen Lasten auf, sondern trägt sie als erster mit ihnen. Gott überlässt die Erneuerung der Kirche wie auch der Gesellschaft nicht allein der Initiative der Menschen, sondern er trägt als erster Sorge dafür. Dies sollte uns bewusst sein, und darum sollten wir uns immer wieder an ihn wenden, dem nichts unmöglich ist.

Die nächsten Impulse zur Glaubensvertiefung:

2: Ja zum Willen Gottes

3: Liebe sein – zu allen

4: Das Neue Gebot Jesu

5: Alle sollen eins sein




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Zuletzt geändert: 8. Januar 2016
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