Ermlandbriefe (1/2012)
Katechismus-Ecke - Ostern 2012


Es ist der Sieg des Lebens über den Tod

Steh auf …

Von Pastor Lic. iur. can. Clemens Bombeck, Prodekan des Ermländischen Konsistoriums

Liebe Leserinnen und Leser!

Vorab muss ich gestehen: Ich bin kein Fußballfan, und doch: Was war das für ein denkwürdiger Abend am 13. Mai 1997. Da hatte - von den Fans erhofft und vielfach vom Himmel erbeten, von anderen eher unerwartet - die Schalker Mannschaft in Mailand das Endspiel um den UEFA-Pokal gewonnen. Binnen kürzester Zeit war die nächtliche Ruhe im mittleren Ruhrgebiet, auch bei mir in Gladbeck, plötzlich vorbei. Autofahrer fuhren hupend durch die Straßen. Viele Menschen zogen singend und schunkelnd mit blauweißen Fahnen durch die Straßen und verwandelten die Nacht in ein Fest der Freude. Der Sieg einer Fußballmannschaft machte viele zu Mitsiegenden. Ob damals das Lied geboren wurde, weiß ich nicht. Aber an diesem Abend und in den Tagen danach konnte ich es immer wieder hören: „Steh auf, wenn du Schalker bist!“ - Es drückt aus, was wohl viele Fans empfanden: „Wir gehören zusammen; wir sind eine starke Truppe.“ Da lagen sich Menschen voll Freude in den Armen wegen eines Sieges, den nicht sie errungen haben. Es war der Sieg ihrer Fußballmannschaft, der sie verändert und in ihnen ein neues Wir-Gefühl hervorgerufen hat.

Dieses Lied erklang danach immer wieder - im Gelsenkirchener Stadion, im Fernsehen und anderswo, so auch beim Karneval der Frauen in unserer Gemeinde. Nur sangen die Frauen dieses Lied jetzt abgewandelt: „Steh auf, wenn du Zweckeler bist!“ Auch diesmal drückte es aus: Wir gehören zusammen; uns bringt man nicht auseinander; wir sind ein starkes Stück Gemeinde.

Gleicht das Leben vieler Christen nicht auch immer wieder dem vieler Fußballfans? Nach Tagen, vielleicht auch Wochen der Freude (z. B. in der Weihnachtszeit) hat sie der Alltag mit seinen vielen Höhen und Tiefen wieder erreicht – wie bei den Schalker Fans: Der Sieg in Mailand ist (fast schon) vergessen. Ein Fußballspiel darf man vergessen; es war nur ein schönes Erlebnis, an das man sich auch später noch voll Freude erinnern wird. Eventuell hängen bei dem einen oder anderen noch ein Wimpel oder ein Bild an der Wand, damit der Sieg von Mailand nicht in Vergessenheit gerät. Aber das „Wunder von Mailand“ verändert nicht die Welt. Das Schalker Lied aber hat mich auf einen Gedanken gebracht:

Was ist OSTERN für ein denkwürdiger Tag! Wir feiern einen Sieg, den nicht wir errungen haben, sondern ein anderer. Es ist der Sieg des Lebens über den Tod, den Jesus für uns alle errungen hat. Für uns Christen bedeutet dieser Sieg alles; es gibt nichts Größeres und Faszinierenderes. Darum besingen wir diesen Sieg in den schönsten Liedern. Dankbar erinnern wir uns an das machtvolle Wort Gottes, das seinen Sohn aus dem Grab herausrief: „Steh auf und lebe!“ Und dieses göttliche Wort veränderte die Welt. Haben wir Christen den Sieg von Jerusalem schon vergessen? Haben wir vergessen, dass Gott damals mit diesem Sieg des Lebens über den Tod die Welt von Grund auf und für immer verändert hat?

Es gibt viele Osterlieder. Vielleicht kann uns der „Schlachtruf“ der Schalker Fußballfans animieren, ähnlich wie sie unsere Freude über den österlichen SIEG Jesu in die Welt zu singen, etwa mit den Worten: „Steh auf, wenn ein Christ du bist!“ Nur, singen allein reicht nicht; dem Singen müssen Taten folgen. Stehen wir Christen darum auf und leben wir - mit IHM! Verschanzen wir uns nicht hinter unseren schönen Gottesdiensten! Verlassen wir unsere warmen Häuser und Wohnungen mit ihren bequemen Stühlen und Sesseln! Verlassen wir auch unsere vertraute Umgebung in Kirche und Pfarrsaal und gehen wir hinaus zu den Menschen, die in Einsamkeit und Resignation vor sich hinleben! Stehen wir auf und sind wir bei denen, die vor lauter Sorge um ihre Familie nicht mehr wissen, wie es weitergeht! Stehen wir auf und hören wir denen geduldig zu, die nicht mehr schweigen können angesichts der inneren und äußeren Ängste, die sie erfüllen! Stehen wir auf und packen wir dort an, wo Menschen in Not sind und dankbar unsere materielle Hilfe annehmen! Stehen wir auf und sind wir - vielleicht eher schweigend - bei denen, die in Trauer versunken sind und das Gefühl haben, dass auch ihr Leben erstirbt! Stehen wir auf und machen wir den Mund auf, wo Unrecht und Lüge das Miteinander der Menschen vergiften! Stehen wir auf und gestalten wir die Gesellschaft mit aus jenem Geist des Herrn! Stehen wir auf und gehen wir zu denen, die immun geworden sind für das Osterfieber! Stehen wir auf und lassen wir Ostern überall Realität werden!

„Steh auf, wenn ein Christ du bist!“ Ja - stehen wir auf und lasst uns mit einem frohen Herzen miteinander und für die anderen leben! Freuen wir uns über den Sieg aller Siege, den Jesus errungen hat! ER lebt, Er ist mitten unter uns, ER geht uns voran!




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Zuletzt geändert: 8. Januar 2016
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