Ermlandbriefe (4/2011)
Katechismus-Ecke - Weihnachten 2011


Sie leuchten und verkünden - Kirchenfenster (7/7)

Dir selbst wird ein Schwert durch die Seele dringen

Von Pastor Lic. iur. can. Clemens Bombeck, Prodekan des Ermländischen Konsistoriums

Fensterkombination: Darstellung des Herrn - „Dir selbst aber wird ein Schwert durch die Seele dringen.“, sagte der greise Semeon. - Glasfenster von Dr. Egbert Lammers aus Werl, 1965, Herz-Jesu-Kirche in Gladbeck-Zweckel. Foto: Pastor Clemens Bombeck Fensterkombination: Darstellung des Herrn - „Dir selbst aber wird ein Schwert durch die Seele dringen.“, sagte der greise Semeon. - Glasfenster von Dr. Egbert Lammers aus Werl, 1965, Herz-Jesu-Kirche in Gladbeck-Zweckel. Foto: Pastor Clemens Bombeck Fensterkombination: Darstellung des Herrn - „Dir selbst aber wird ein Schwert durch die Seele dringen.“, sagte der greise Semeon. - Glasfenster von Dr. Egbert Lammers aus Werl, 1965, Herz-Jesu-Kirche in Gladbeck-Zweckel. Foto: Pastor Clemens Bombeck

Liebe Leserinnen und Leser der Ermlandbriefe!

Mit der Vorstellung dieses Fensters endet die Reihe der Betrachtungen über die Fenster von Egbert Lammers in der Gladbecker Herz-Jesu-Kirche. Beim Lesen der Überschrift mögen Sie sich vielleicht gedacht haben: Muss dieser Titel denn sein – jetzt in der Adventszeit, in der wir uns auf Weihnachten vorbereiten?

Wenn auch seit dem II. Vatikanischen Konzil der weihnachtliche Festkreis mit dem Sonntag der Taufe Jesu endet, so ist doch von der alten Tradition her das Fest der Darstellung des Herrn, im Volksmund auch „Mariä Lichtmess“ genannt, noch Teil des Weihnachtsfestes. Maria und Josef bringen vierzig Tage nach der Geburt den Säugling Jesus zum Tempel, um ihn dem Herrn zu weihen. Darauf weist das rechte Fenster hin. Hier ist ein Herz zu sehen, das von einem Schwert durchbohrt wird. Es nimmt Bezug auf das Wort des greisen Simeon an Maria: „Dir selbst aber wird ein Schwert durch die Seele dringen.“

Die Botschaft der Heiligen Nacht, die uns mit Freude erfüllt, ist nicht frei von Leid: Die Geburt des göttlichen Kindes in Armut, die Flucht vor den mörderischen Horden des Königs Herodes und zuvor neben der Freude des Simeon und der Prophetin Hanna über die Erfüllung der Verheißung das Wort vom Schwert, das die Seele der Mutter durchdringen wird – dies alles lässt das Weihnachtsfest uns nicht in unbekümmerter Freude feiern. Maria – so die Weissagung des Simeon – wird Anteil an der Passion ihres Sohnes haben. Die gelbe Farbe, die dieses Fenster beherrscht, lässt uns an der Freude der Mutter über die Geburt des verheißenen Messias teilnehmen; die Freude aber ist getrübt durch das Rot der Blutstropfen, die durch das eindringende Schwert im Herzen, d.h. in der Seele Marias verursacht werden. In dem Schwert dürfen wir auch die anderen sechs Leiden der Schmerzhaften Mutter mit einbeziehen: die Flucht nach Ägypten; die dreitägige Suche nach dem verlorenen Sohn; Marias Weg nach Golgota; die Kreuzigung Jesu; die Abnahme Jesu vom Kreuz / der tote Jesus im Schoß seiner Mutter; die Grablegung Jesu.

Im linken Fenster ist eine Rose zu erkennen. Hier nimmt der Künstler Bezug auf die „geheimnisvolle Rose“, wie Maria in der Lauretanischen Litanei angerufen wird. Bereits seit der Antike hatte die Rose eine vielfältige Bedeutung; in der frühen Kirche wurde die Rose vor allem als Symbol für das Paradies und für die Ewigkeit verwendet. Seit dem Mittelalter ist die Rose ein besonderes Symbol für Maria. Die hellen Blütenblätter wollen dabei nicht nur hinweisen auf die Reinheit Marias, sondern auch auf die Freude des Himmels, die sie als erster Mensch voll und ganz erfährt. Unterhalb, gleichsam zu Füßen der Rose, ist die Mondsichel zu sehen: auch dies ist ein Hinweis auf Maria, über die der heilige Johannes in seiner Offenbarung sagt: „Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füßen“ (Apg 12,1).

Der Blick des Betrachters geht aber unwillkürlich auf das große, mittlere Fenster. Es wirkt eigenartig düster, fast schon bedrohend. Die Farbe Grau – sinnbildlich für alles Irdische und Vergängliche – bestimmt dieses Fenster. Und doch strahlt auch hier das Überirdische, Ewige durch. Maria, die in den Himmel Aufgenommene, wird mit der Herrlichkeit des ewigen Lebens gekrönt. Gott legt ihr die Hände aufs Haupt, darum umrankt von einem gelben Kranz, Hinweis auf die von Gott geschenkte Vollendung.

Maria – die schmerzhafte Mutter (im rechten Fenster), Maria – die in den Himmel Aufgenommene, Maria – die geheimnisvolle Rose: Dieses Marienfenster in der Gladbecker Herz-Jesu-Kirche möchte dem Betrachter, der hinter sich das Christusfenster weiß (s. ERMLANDBRIEFE Nr. 2011/3, S. 3), zeigen, dass dem Jünger und der Jüngerin in der Nachfolge Christi Leid und Schmerz nicht erspart bleiben. Nicht Leid, Krankheit und Tod haben das letzte Wort. Vielmehr mündet sein Weg ein in das ewige Leben bei Gott, das Maria als erste von allen Menschen voll und ganz schauen darf. Darum bleibt Maria uns allen das untrügliche Zeichen der Hoffnung. Diese Hoffnung hat Weihnachten – in der Geburt des Erlösers durch Maria – ihren Anfang genommen.




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Zuletzt geändert: 8. Januar 2016
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