Ermlandbriefe (3/2011)
Katechismus-Ecke - Sommer 2011


Sie leuchten und verkünden - Kirchenfenster (6/7)

Durch seine Wunden geheilt

Von Pastor Lic. iur. can. Clemens Bombeck, Prodekan des Ermländischen Konsistoriums

Fensterkombination: Das Hochfest vom Heiligsten Herzen Jesu - „Wer mein Jünger sein will, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“ - Glasfenster von Dr. Egbert Lammers aus Werl, 1965, Herz-Jesu-Kirche in Gladbeck-Zweckel. Foto: Pastor Clemens Bombeck Fensterkombination: Das Hochfest vom Heiligsten Herzen Jesu - „Wer mein Jünger sein will, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“ - Glasfenster von Dr. Egbert Lammers aus Werl, 1965, Herz-Jesu-Kirche in Gladbeck-Zweckel. Foto: Pastor Clemens Bombeck Fensterkombination: Das Hochfest vom Heiligsten Herzen Jesu - „Wer mein Jünger sein will, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“ - Glasfenster von Dr. Egbert Lammers aus Werl, 1965, Herz-Jesu-Kirche in Gladbeck-Zweckel. Foto: Pastor Clemens Bombeck

Liebe Leserinnen und Leser der Ermlandbriefe!

Nachdem ich Ihnen in den vergangenen sechs Ausgaben je ein Fenster im Hauptschiff der Gladbecker Herz-Jesu-Kirche vorgestellt habe, die die sechs Sakramente darstellen, möchte ich Sie nun in das rechte Seitenschiff führen. Dort befindet sich eine große Fensterkombination, wiederum von Egbert Lammers geschaffen. Der Tag, an dem ich diese Bildbetrachtung schreibe, ist das Hochfest vom Heiligsten Herzen Jesu; es ist der „Namenstag“ (=Patrozinium) der Kirche und der Gemeinde, in der ich seit 16 Jahren als Pfarrer / Pastor tätig bin. Das Fenster hat in gewisser Weise das Festgeheimnis zum Thema.

Das mittlere Bild zeigt uns Jesus, den leidenden Herrn. Er steht mit Dornen gekrönt vor uns, beladen mit dem Kreuz. Aufrecht steht der Herr. Mit seinen Armen umfängt er das Kreuz und geht den Weg zum Berg Golgota. Zwei Farben bestimmen das Bild: rot und grau. Die graue Farbe ist uns – vielleicht erinnern Sie sich noch - bereits im Fenster „Bußsakrament“ begegnet. Diese Farbe steht in der Farbsymbolik des Künstlers für die Sünde und das von Menschen verursachte Leid. Jesus trägt die Sünde und das Leid. Alles Leid dieser Welt, alles, was Menschen bedrückt, hat er auf sich genommen. Ja, er selbst ist zum „grau“ geworden, er hat sich für uns zur Sünde gemacht, um uns durch sein Kreuz zu erlösen.

Der Künstler hat uns Jesus aber nicht nur in der Farbe grau dargestellt; vielmehr ist in der Jesusgestalt auch die Farbe rot stärker hervortretend. Diese Farbe geht von Jesus aus in das Kreuz über. Man möchte meinen: Jesus und das Kreuz sind eins. Und das ist in der Tat auch so. Jesus und das Kreuz – sie bilden eine Einheit; man kann ihn vom Kreuz nicht trennen. Wer auf Jesus schaut, wer Jesus verstehen will, kommt an seinem Kreuz nicht vorbei. Dies gilt auch für jeden, der Jesus nachfolgen will. Wir kennen seine Aufforderung: „Wer mein Jünger sein will, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“ Rot – diese Farbe symbolisiert die Liebe; sie ist die Farbe, die Jesus und sein Kreuz betont. Jesus erwies uns seine Liebe, in dem er unser Kreuz zu seinem Kreuz machte. In seinem Leiden und Sterben am Kreuz schenkte Jesus uns Menschen seine Liebe.

Das linke Fenster hebt diese Liebe in einem besonderen Aspekt dieser Kreuzesliebe hervor. Wir sehen diagonal durch das Fenster gehend einen blauen Stab, dessen oberes Ende spitz zuläuft. Der Stab stellt die Lanze dar, die der Soldat in die Seite des toten Jesus stößt. Die Spitze dieser Lanze stößt in das Herz Jesu, aus dem Blut und Wasser hervorströmen. Die rote und blaue Farbe weist auf dieses Ereignis hin. Da fließt das Blut wie Strahlen aus dem Herzen. Am linken Rand leuchtet das Gelb auf. Es möchte sagen: In der Liebe Jesu leuchtet die Herrlichkeit Gottes auf.

Das rechte Fenster greift die Thematik des linken Fensters auf. Jetzt schauen wir auf das Geheimnis der Eucharistie. Gerade in der Feier der Eucharistie gedenken wir des Leidens, d.h. der liebenden Hingabe des Herrn. Wie Jesus am Kreuz sein Blut vergibt, so fließt in jeder Eucharistiefeier aus der Weintraube der Wein als Sein Blut in den Kelch. Und die Ähre zeigt uns sinnbildlich seinen geopferten Leib. Aus den gemahlenen Samenkörnern wird das Brot, das in der Messfeier zu seinem eucharistischen Brot wird. Jedesmal, wenn wir in der heiligen Kommunion die eucharistischen Gaben Brot und Wein empfangen, werden wir hinein genommen in das Geheimnis der liebenden Hingabe Jesu am Kreuz. Aus dieser Vereinigung mit IHM erwächst der Auftrag, nun auch selber Brot und Wein für einander zu werden, d.h. Liebe für einander sein. So entsteht immer wieder neu LEBEN Gottes mitten unter uns. Das grüne Feld möchte dies deutlich machen: Leben für uns – Leben für andere. Das ist der Kern der Nachfolge Jesu.




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Zuletzt geändert: 8. Januar 2016
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