Ermlandbriefe (2/2011)
Katechismus-Ecke - Pfingsten 2011


Sie leuchten und verkünden - Kirchenfenster (6/7)

Das Sakrament der Ehe

Von Pastor Lic. iur. can. Clemens Bombeck, Prodekan des Ermländischen Konsistoriums

Das Sakrament der Ehe - „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein bleibt“ - Glasfenster von Dr. Egbert Lammers aus Werl, 1965, Herz-Jesu-Kirche in Gladbeck-Zweckel. Foto: Pastor Clemens Bombeck

Liebe Leserinnen und Leser der ERMLANDBRIEFE! Mit der Ihnen jetzt vorliegenden Betrachtung des Fensters zum Ehesakrament in der Gladbecker Herz-Jesu-Kirche schließt sich der Reigen der „Sakramenten-Fenster“ von Egbert Lammers.

„Es ist nicht gut, dass der Mensch allein bleibt“, sagt Gott zu sich selbst über den Menschen (Gen 2, 18). Menschliches Leben entspringt aus der Zweisamkeit und ist auf ein Leben in Einsamkeit, d.h. auf Gemeinschaft hin ausgerichtet. Das Miteinander und Füreinander der Menschen kann nur gelingen, wenn der Geist Gottes, der Geist der gegenseitigen, einander dienenden Liebe, unter ihnen herrscht. Beim letzten Abendmahl fordert Jesus auf: „Wie mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe! Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben hingibt für seine Freunde.“ (Joh 15, 9.13). In diesem Sinne gilt: Menschen, die in Freundschaft verbunden sind, müssen nicht verheiratet sein; Verheiratete aber müssen Freunde sein.

Die gegenseitige Liebe, zu der Jesus aufruft, ist darum das Erkennungszeichen der Christen und die Grundlage des gemeinsamen Lebens von Mann und Frau in der Ehe. Wenn Mann und Frau gemäß diesem Leben miteinander und füreinander da sind, dann wird in ihrem Leben sichtbar, was Jesus zugesagt hat. „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“ (Mt 18, 20).

Die gegenseitige, das ganze Leben bestimmende und durchdringende Liebe von Mann und Frau in der Ehe ist zudem eine vom Schöpfer grundgelegte Lebensform des Menschen, denn ihre innige Gemeinschaft des Lebens und der Liebe lässt sie nicht mehr zwei sein, sondern ein Fleisch (vgl. Mt 19, 6); sie ist der Raum, in dem sich Gott aufs Neue als der Schöpfer erweist, wenn aus dieser ehelichen Gemeinschaft neues Leben hervorgeht.

In der Ehe begegnen sich zwei Personen, die verschieden sind und verschieden bleiben. Sie versprechen sich Liebe und Treue, bis dass der Tod sie scheidet. Als äußeres Zeichen ihrer Einheit und Unauflöslichkeit gebrauchen wir gern die zwei ineinander verschlungenen Ringe. Dieses allseits bekannte Symbol ist der markante Mittelpunkt des großen Fensters in unserer Kirche. Ausgehend von diesen Ringen und auf diese Ringe zu ist ein Weg zu erkennen. Diese graphische Gestaltung weist hin auf den Weg, den die Partner miteinander, füreinander und nebeneinander gehen. Es ist ein Weg, bei dem sich die beiden Partner jeden Tag neu den Herausforderungen des Lebens stellen müssen.

Die Darstellung des Weges läßt den Betrachter zudem an die Leiter denken, die Jakob in einer Vision gesehen hatte, die von der Erde bis in den Himmel reichte. Ist dies nicht ein schöner Hinweis auf die Berufung, die die Partner füreinander haben, einander zu helfen, in der Ehe den Weg zu Gott zu gehen?

Die beiden kleineren Fenster rechts und links sind graphisch wie auch farblich unterschiedlich gestaltet. Damit soll verdeutlicht werden, dass Mann und Frau von ihrer Natur her unterschiedlich, ja einmalig sind und bleiben. Während das linke Fenster vom Blau bestimmt wird, sticht im rechten Fenster das Rot hervor. Die Fenster weisen nicht nur hin auf die beiden, die zusammen in ihrer Ehe verbunden sind. Die Farben haben noch eine zweite Bedeutung: Blau = Wasser und damit ein Hinweis auf die Taufe; Rot = Feuer, das hinweisen will auf die Firmung. Im mittleren Fenster nun vereinen sich beide Farben unter dem Symbol der Eheringe.

Der gemeinsame Weg der Christen im Ehesakrament vollzieht sich in der Christusnachfolge, die in der Taufe begonnen und in der Firmung eine besondere Befähigung erhalten hat. Die Liebe, die Mann und Frau im Sakrament vereint, hat ihre Quelle in jener Liebe, die Gott ist und die der Getaufte in besonderer Weise im Firmsakrament empfangen hat. Wie schon erwähnt: Der Weg der Eheleute ist die in Gott gründende gegenseitige Liebe; das Ziel des ehelichen Weges ist – dies gilt übrigens auch für alle, die nicht verheiratet sind - die ewige Vollendung bei Gott.




zurück


zum Anfang 


Weitere Themen






















































































Zuletzt geändert: 8. Januar 2016
© 2016 by Visitator Ermland®