Ermlandbriefe (1/2011)
Katechismus-Ecke - Ostern 2011


Sie leuchten und verkünden - Kirchenfenster (5/7)

Das Sakrament der Weihe

Von Pastor Lic. iur. can. Clemens Bombeck, Prodekan des Ermländischen Konsistoriums

Priesterweihe - „Für euch bin ich Priester – mit euch bin ich Christ.“ - Glasfenster von Dr. Egbert Lammers aus Werl, 1965, Herz-Jesu-Kirche in Gladbeck-Zweckel. Foto: Pastor Clemens Bombeck

Auch in diesem Jahr möchte ich Sie, verehrte Leserinnen und Leser der ERMLANDBRIEFE, wieder in „meine“ Herz-Jesu-Kirche in Gladbeck führen und Ihnen die Kirchenfenster von Egbert Lammers vorstellen. Im vergangenen Jahr waren es die Fenster zu den Sakramenten der Taufe, Firmung, Buße und Krankensalbung. Heute ist es das Fenster „Priesterweihe“.

Dem Betrachter dieses Fensters fällt sofort das mittlere Bild auf: Im Zentrum ist hier stilisiert ein Kelch zu sehen und über diesem Kelch, fast mit ihm verbunden, eine runde Brotscheibe. Gleich einem Rahmen umschließt die Stola, die oben mit einem kleinen Kreuz verziert ist, Brot und Kelch. Die Stola ist das Zeichen der priesterlichen Würde, die dem Weihekandidaten bei der Spendung des Weihesakramentes übertragen wird; sie ist wie ein Joch, das Christus ihm auferlegt. Der Träger einer Stola handelt darum nicht aus sich selbst, vielmehr steht er im ausschließlichen Dienst Christi gleich dem hl. Paulus, der den Galatern schrieb: „… nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir“ (Gal 2,20).

Was ist nun der Dienst des Priesters, der unter dem „Joch Christi“ steht? Ein Wort des hl. Augustinus – abgewandelt – kann uns helfen: „Für euch bin ich Priester – mit euch bin ich Christ.“ Als Erstes gilt darum: Wir alle, Gläubige und Priester, gehören dem einen Volk Gottes an, denn Christus, der Hohepriester und einzige Mittler beim Vater, hat seine Kirche zu einem Reich von „Priestern für seinen Gott und Vater“ gemacht (Offb 1,6; vgl. 1 Petr 2,5.9). Durch Taufe und Firmung sind alle Gläubigen „zu einem heiligen Priestertum geweiht“ worden. Alle Christen sind durch diese Sakramente zum Dienst vor Gott geweiht. Sie haben die Gabe Gottes, den Heiligen Geist, empfangen und können in diesem Geist leben und wirken. Sichtbares Zeichen dieser empfangenen Gabe und Weihe ist die Salbung mit Chrisam bei Taufe und Firmung. Das gemeinsame Priestertum entfaltet sich im Alltag eines jeden Gläubigen – auch im Alltag eines Bischofs, Priesters und Diakons -, wenn sie aus Glaube, Hoffnung und Liebe heraus leben und die Welt in sich und um sich herum zu prägen versuchen. Darum bleibt der Priester mit allen Gläubigen ein Christ, ist er - so der hl. Augustinus - mit ihnen Christ. Das ist seine erste Berufung.

„Für euch bin ich Bischof / Priester“ – mit diesem Hinweis des hl. Augustinus geht unser Blick auf das sog. Amtspriestertum, das ganz im Dienst des allgemeinen Priestertums aller Gläubigen steht. Der Priester steht also nicht über den Gläubigen, sondern ist deren Diener. Dies gilt in gleicher Weise auch für den Bischof und den Diakon. Im kirchlichen Dienst des Priesters ist Christus selbst in seiner Kirche zugegen als Haupt und Hirte seiner Herde, als Hoherpriester des Erlösungsopfers und als Lehrer der Wahrheit. In der Liturgie wird dies sinnenfällig deutlich durch die Orte, an denen der Priester bei der Messfeier kraft des Weihesakramentes „in der Person Christi“ (lat. „in persona Christi“) handelt - am Priestersitz: Hirt der Herde / Leiter der Gemeinde; am Ambo: Verkünder und Lehrer der Frohen Botschaft; am Altar: Priester und Spender der hl. Eucharistie. Auch bei der Spendung der übrigen Sakramente (Taufe, Firmung, Beichte, Krankensalbung, Assistenz bei der Eheschließung) handelt der Priester nicht aus sich selbst, sondern „in persona Christi“.

Durch das Weihesakrament hat der Priester aber nicht nur die Aufgabe, Christus vor der Versammlung der Gläubigen zu „repräsentieren“, d.h. „in persona Christi“ zu wirken. Er handelt auch im Namen der ganzen Kirche („in persona ecclesiae“), wenn er in der Eucharistiefeier das Gebet der Kirche an Gott richtet, vor allem, wenn er das eucharistische Opfer darbringt.

Papst Johannes Paul II. sagte einmal: In der Feier der Eucharistie „findet der Priester die Quelle all seiner Hirtenliebe, die Grundlage für seine eigene Spiritualität und die Stärke, die tägliche Opfergabe seines Lebens mit dem Opfer Jesu zu vereinen“. Und in einem seiner Gründonnerstagsbriefe an die Priester erinnert sich der Papst an seine Primiz und wie er seither schon tausende Male die Wandlungsworte aussprechen durfte: „Sind diese wunderbaren Worte nicht der Takt, nach dem jedes Priesterleben schlägt? Wiederholen wir sie jedes Mal, als sei es zum ersten Mal! Sprechen wir sie so, dass sie niemals zur Gewohnheit werden. Sie sind der höchste Ausdruck der vollen Verwirklichung unseres Priestertums.“

Mit Recht ist darum die Feier der Eucharistie die Mitte des priesterlichen Dienstes und Lebens. Dies hat der Künstler unseres Kirchenfensters dadurch zum Ausdruck gebracht, indem er in dem Hauptfenster die eucharistischen Gaben Hostie und Kelch, umrankt von der Stola, deutlich hervorhebt. Die beiden Seitenfenster scheinen dagegen ohne eine besondere Aussage zu sein. Ich meine aber, das linke Fenster lässt in seiner Mitte ein Kreuz erkennen: Hinweis auf die Botschaft, die jeder Priester „im Namen Christi“ zu verkünden hat, d.h. sein Wort der Verkündigung muss in Christus gegründet sein. Er hat also nicht sich selbst zu verkündigen, sondern Christus.

Im rechten Fenster kann man mit ein wenig Phantasie sich kreuzende Wege ausmachen. Auch der Priester bleibt - trotz Weihe - ein Suchender, ein auf dem Weg Gehender - gemeinsam mit allen Gläubigen. So kann man die beiden Fenster rechts und links durchaus als eine künstlerische Deutung des oben erwähnten Hinweises vom hl. Augustinus verstehen: „Für euch bin ich Priester – mit euch bin ich Christ.“

Vom hl. Vinzenz Pallotti stammt das Wort, das die Spannung priesterlicher Existenz unter dem „Joch Christi“ beschreibt: „Priester, wer bist du? Du bist nicht von dir, sondern von Gott. Du bist nicht für dich, sondern Mittler zu Gott. Du bist nicht für dich selbst, weil du der Knecht aller bist. Du bist nicht Du selbst, weil du der „andere Christus“ bist. Wer also bist du? Nichts und alles, o Priester!“




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Zuletzt geändert: 8. Januar 2016
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