Ermlandbriefe (3/2010)
Katechismus-Ecke - Sommer 2010


Sie leuchten und verkünden - Kirchenfenster (3/7)

Die Buße

Von Pastor Lic. iur. can. Clemens Bombeck, Prodekan des Ermländischen Konsistoriums

Umkehr, Besinnung, Vergebung, Buße - Glasfenster in der Herz-Jesu-Kirche in Gladbeck-Zweckel von Dr. Egbert Lammers aus Werl, 1965			      Foto: Pastor Clemens Bombeck

Bei unserem Gang durch die Herz-Jesu-Kirche in Gladbeck, in der ich als Seelsorger tätig bin, habe ich Sie - liebe Leserinnen und Leser - in den ersten beiden Ausgaben der diesjährigen „Ermländerbriefe“ zu den Kirchenfenstern „Taufe“ und „Firmung“ von Dr. Egbert Lammers geführt. Heute lade ich Sie ein, sich das Fenster anzuschauen, das sich mit dem Sakrament der Buße auseinandersetzt.

Dem Betrachter fällt sofort der Hahn im mittleren Fenster auf. Umgeben von der grauen und vor allem violetten Farbe, die im liturgischen Bereich der Kirche für „Umkehr - Besinnung - Vergebung - Buße“ steht, symbolisiert der Hahn den Apostel Petrus, der Jesus verraten hat. „Ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen“, hatte Jesus zu ihm gesagt. Der Hahn steht für den Verrat des Petrus. Petrus, der beim letzten Abendmahl noch geradezu entrüstet war, als Jesus ihm voraussagte, er werde ihn verraten, wurde schwach. Als es ihm um Kopf und Kragen ging, rettete er sich, indem er Jesus, seinen Meister und Herrn, verriet und damit sich mitschuldig machte an dessen Verurteilung, Hinrichtung und Tod.

Der Hahn in unserem Fenster weist aber auch hin auf die Reue des Apostels. Die Reue, das Eingeständnis, dem Herrn gegenüber versagt zu haben, trifft den Apostel sehr. „… und er weinte bitterlich“, berichtet die Hl. Schrift.

Die Reue, d.h. das Eingeständnis von Versagen und Schuld, weil ich IHM wie auch dem Mitmenschen die tätige Liebe versagt habe, ist Vorausetzung, dass Gott mir im Sakrament der Buße die Sünden vergibt. Reue ist immer Voraussetzung für Vergebung, sei es in meiner Beziehung zu den Mitmenschen, sei es in meinem Leben mit Gott. Wie gut tut es mir, wenn ich Vergebung erfahre. Ich kann aufatmen und wieder neu anfangen. Die Vergebung meiner Sünden, also meiner Vergehen Gott gegenüber, ist das Geschenk des österlichen Herrn. Sie geschieht durch die von Christus am Osterabend hierzu eigens beauftragten Apostel und durch sie deren Nachfolger, die Bischöfe, und in ihrem Auftrag die Priester. Darauf weisen die gekreuzten Schlüssel - die „Petrusschlüssel“ - im rechten Fenster hin. Das Kreuz im linken Fenster will sagen, dass Jesus wegen des Verrats seines Apostels und wegen der Sünden aller Menschen Leiden und Tod auf sich genommen hat.

Kreuz und Schlüssel - Sünde und Vergebung: Der immer wieder in Sünde fallende Mensch bedarf der Versöhnung, ist auf die Erlösung durch Christus angewiesen. Und Christus schenkt Vergebung, Erlösung und Heil - wenn der Mensch seine Sünden erkennt und bereut - wie Petrus. Wer sich von IHM nicht erlösen lassen will, verfällt auf ewig dem Tod. Das symbolisiert die graue Farbe, die dem Betrachter gleichsam mahnend entgegenleuchtet.

Dieses für mich besonders eindrucksvolle Fenster in meiner Gladbecker Herz-Jesu-Kirche ist eine eindringliche Aufforderung an uns, darüber nachzudenken: Wie gehe ich mit meinen Fehlern, Schwächen und Sünden um? Stehe ich zu ihnen? Oder schiebe ich sie beiseite - nach dem Motto: „’Das ist doch alles nicht so schlimm’? ‚Und außerdem: Fehler und Schwächen - die gehören nun einmal zum Leben.’“

Auf den dreifachen Verrat des Petrus hin fragt der Auferstandene diesen Apostel dreimal: „Liebst du mich - liebst du mich mehr als diese?“ Das Bußsakrament ist das Sakrament der verzeihenden Liebe Gottes. Es leichtfertig auszuschlagen, bedeutet letztlich, die verzeihende Liebe Gottes nicht empfangen zu wollen. Ich persönlich bin froh und dankbar, dass ich beichten kann und immer wieder zu Gott kommen darf, um ihm zu bekennen: „Verzeih mir, dass ich Dich nicht so geliebt habe, wie ich es hätte tun können! Verzeih mir, dass ich Dich in meinen Mitmenschen nicht erkannt habe oder nicht habe erkennen wollen. So wurde meine Lieb-Losigkeit den Menschen gegenüber zur Lieb-Losgkeit Dir gegenüber.“

Es ist darum für uns alle ein weises Gebot der Kirche, das Bußsakrament als „Sakrament der Versöhnung“ immer wieder zu empfangen, mindestens einmal im Jahr, dann aber in der österlichen Zeit. Vielleicht ermutigt Sie, liebe Leserinnen und Leser, meine Bildbetrachtung, über die Beichte als Sakrament der „Versöhnung“ nachzudenken und das Geschenk des auferstandenen Herrn neu zu entdecken.




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Zuletzt geändert: 8. Januar 2016
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