Ermlandbriefe (2/2010)
Katechismus-Ecke - Pfingsten 2010


Sie leuchten und verkünden - Kirchenfenster (2/7)

Die Firmung

Von Pastor Lic. iur. can. Clemens Bombeck, Prodekan des Ermländischen Konsistoriums

Taufe - Glasfenster in der Herz-Jesu-Kirche in Gladbeck-Zweckel von Dr. Egbert Lammers aus Werl, 1965			      Foto: Pastor Clemens Bombeck In unseren Pfarreien und Gemeinden hat sich in den letzten Jahren die Praxis mehr und mehr durchgesetzt, nicht mehr Kinder und Heranwachsende im Alter von etwa 12 bis 15 Jahren zum Sakrament der Firmung zuzulassen, sondern erst Jugendliche im Alter ab 16 Jahren. Dies hat viele pädagogische und pastorale Beweggründe, die mehr als einsichtig und vernünftig sind. Theologisch entspricht diese veränderte Firmpastoral jedoch nicht dem, was die Kirche mit dem Dreiklang „Taufe - Firmung - Eucharistie“ als Eingliederung eines Glaubenden in die Kirche meint. Viele von Ihnen wissen noch aus dem schulischen Katechismusunterricht, wie die Reihenfolge der sieben Sakramente lautet: Taufe - Firmung - Eucharistie - Beichte - Krankensalbung - Weihe - Ehe. In der orthodoxen Kirche ist die Reihefolge der drei Eingliederungssakramente (Taufe - Firmung - Eucharistie) bis heute gängige Theologie und pastorale Praxis. Nach der Taufe empfängt der Täufling in dieser Feier sofort auch die Firmung und anschließend die erste heilige Kommunion; damit ist die Eingliederung des Getauften in die Kirche vollzogen. Diese Praxis findet in unserer Kirche nur bei Erwachsenen, die getauft und damit in die Kirche aufgenommen werden wollen, Anwendung.

In der katholischen Kirche (zumindest in den deutschsprachigen Diözesen) hat sich seit vielen Jahren die Reihefolge verändert: TAUFE - EUCHARISTIE - FIRMUNG. Mit der bereits genannten Verschiebung des Firmalters wandelt sich heute vermehrt das Verständnis des Firmsakramentes („In der Taufe empfange ich Gottes Geist, um als Christ in der Welt zu leben.) hin zu einem „Sakrament der Entscheidung“. Jugendliche sollen sich - nach der Pubertät und jetzt an der Schwelle zum Erwachsenensein - bewußt für ein glaubwürdiges Leben als Christ aus der Kraft des Heiligen Geistes aussprechen. Diese theologischen Aspekte habe ich vor Augen, wenn ich das Fenster „Firmung“ in meiner Herz-Jesu-Kirche in Gladbeck anschaue und Ihnen nun vor Augen stelle.

In diesem Fenster sticht dem Betrachter die rote Farbe sehr geballt ins Auge. Rot - das ist die Farbe des Feuers. Am Pfingsttag kam der Heilige Geist wie in Feuerzungen auf Maria und die Apostel und Jünger herab. Neben den Feuerzungen ist ein weiteres, ganz zentrales Symbol zu erkennen: die Taube, Symbol für den Heiligen Geist. Die Taube weist hin auf die Taufe Jesu am Jordan, wo der Heilige Geist in Gestalt einer Taube auf Jesus herabkam und eine Stimme aus der Höhe erscholl: „Das ist mein geliebter Sohn; auf ihn sollt ihr hören.“ Die kleinen Fenster rechts und links greifen das Zungenmotiv des mittleren Fensters auf.

In Zentrum des mittleren Fensters ist neben der Taube ein Herz zu erkennen. Beide Symbole, umgeben vom leuchtenden Rot, wollen sagen: Der Geist Gottes ist der Geist der Liebe, und diese Liebe kommt von Herzen und will unser Herz durchdringen, wenn wir im Sakrament der Firmung mit den Gaben des Heiligen Geistes beschenkt werden. Der Gefirmte lebt aus dem Geist Gottes, wenn er ein liebendes Herz hat und diese Liebe im Alltag lebt.

Die Firmung vollendet die Taufe. In diesem Sakrament stärkt Jesus Christus unseren Glauben durch die Kraft des göttlichen Geistes, damit wir als Christen leben und für Christus Zeugnis geben können.

Was bedeutet es für Sie, liebe Leserinnen und Leser, das Sakrament der Firmung empfangen zu haben? Der Gefirmte ist berufen, aus der Kraft des Heiligen Geistes „Salz der Erde“ und „Licht der Welt“ zu sein, wie Christus gesagt hat. Er ist berufen zum lebendigen Glaubenszeugnis. Ihm soll nicht der Vorwurf aus der Offenbarung des Johannes gelten: „Ich kenne deine Werke. Du bist weder kalt noch heiß. Weil du lau bist, weder heiß noch kalt, will ich dich aus meinem Mund ausspeien“ (Offb 3,15-16). Mit dem folgenden Gebet können Sie Gott darum bitten, dass er seine Gnade, die Sie in der Firmung empfangen haben, immer wieder erneuere:

„Gütiger Gott, stärke und bewahre, was du in mir gewirkt hast. Erhalte in mir die Gaben des Heiligen Geistes, damit ich vor aller Welt Christus, den Gekreuzigten und Auferstandenen, mutig bekenne, ihn von Herzen liebe und aus seinem Wort lebe. Amen.“




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Zuletzt geändert: 8. Januar 2016
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