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Ermlandbriefe (2/2010) Ermländische Perspektiven - Pfingsten 2010 |
Große Feierlichkeiten im Frauenburger Dom
Copernikus wird beigesetzt
Von Norbert Block
Liebe Ermländer,


fast auf den Tag genau 467 Jahre nach seinem Tod wird der ermländische Domherr Nikolaus Kopernikus im Frauenburger Dom erneut begraben. Mehrere Bischöfe und unser Visitator Msgr. Dr. Lothar Schlegel werden am 22. Mai 2010 in der ermländischen Bischofskirche an der Feier teilnehmen. Kopernikus war am 24. Mai 1543 im Alter von 70 Jahren gestorben. Der Domherr, der als Astronom weltweit bekannt ist, war 465 Jahre nach seinem Tod mit Hilfe einer DNA-Analyse identifiziert worden. Mit der neuen, dann bekannten Grabstätte im Dom sollen noch mehr Touristen als bisher den Weg nach Frauenburg finden.
Bis vor etwa 18 Monate konnte nur vermutet werden, dass sich das Grab von Kopernikus in der Kathedrale in Frauenburg befindet. Dies ging aus zeitgenössischen Unterlagen hervor. Bischof Martin Cromer ließ danach im Jahr 1581 ein Epitaph anbringen. Dies war aber verschwunden. Die genaue Stelle des Grabmals war daher nicht bekannt. Da die Kirche während der Schwedenkriege stark verwüstet wurde, war es möglich, dass die sterblichen Überreste nicht an ihrem ursprünglichen Platz blieben.
Es wurde allerdings unter anderem vom polnischen Historiker Jerzy Sikorski vermutet, dass sich die Grabstätte nahe des Heilig-Kreuz-Altars befinden müsste, der dem Kanoniker zugeordnet war. 2004 begannen mit Zustimmung des Bischofs der Archäologe Jerzy Gassowski mit seinem Team mit Nachforschungen. Unter dem Fußboden entdeckten sie im Sommer 2005 Überreste von dreizehn, teilweise stark beschädigten Gräbern. Mehrere Wochen hatten Archäologen dort gegraben. Dabei fanden sie auch den Schädel eines etwa 70 Jahre alten Mannes.
Dass es sich bei diesen gefundenen sterblichen Überresten um jene von Kopernikus mit hoher Wahrscheinlichkeit handeln müsse, konnten Gassowski und die schwedische DNA-Expertin Marie Allen im Jahr 2008 nachweisen. Polizeiexperten hatten danach mit modernster Technik danach das Gesicht des Toten rekonstruiert. Dieses stimmt mit zeitgenössischen Porträts von Kopernikus überein. Zusätzliche Sicherheit brachte ein DNA-Test. So waren in einem Buch der Universitätsbibliothek in Uppsala (Schweden), das Kopernikus jahrelang benutzt hatte, Haare gefunden worden. Die DNA aus diesem Haar ist mit DNA aus dem Schädel identisch gewesen. Weihbischof Jacek Jezierski hatte daraufhin angekündigt, die Gebeine des ermländischen Astronomen und Domherren wieder feierlich beisetzen zu wollen. Die sterblichen Überreste sollen in einen Sarkophag überführt werden.
Der Astronom stellte fest, dass nicht die Erde, sondern die Sonne das Zentrum des Universums bildet. Damit leitete er die Abkehr vom erdzentrierten Weltbild ein. Seine Erkenntnisse zum heliozentrischen Weltbild veröffentlichte er aus Angst vor dem Spott von Kollegen und Kirche erst kurz vor seinem Tod. Kopernikus war nicht der erste Forscher in der Geschichte, der das geozentrische Weltbild infrage stellte. Die breite Akzeptanz dieser neuen Idee in Europa wird jedoch ihm zugeschrieben. Sein Werk „De Revolutioninus Orbium Coelestium“ (deutsch: Von den Umdrehungen der Himmelskreise) gilt als Meilenstein der Astronomie.
Nikolaus Kopernikus ist durch diese Arbeit zum bekanntesten Domherren von Frauenburg geworden. Mit der erneuten Beisetzung seiner sterblichen Überreste wird auch an das 750-jährige Bestehen des ermländischen Domkapitels erinnert. Dies wird am 20. Juni gefeiert – gemeinsam mit unserem Visitator und Vertretern des Konsistoriums. Das ist ein Grund zur Freude.
Es grüßt Sie herzlich
Ihr
Norbert Block
Vorsitzender des Ermländerrates