Ermlandbriefe (1/2010)
Katechismus-Ecke - Ostern 2010


Sie leuchten und verkünden - Kirchenfenster (1/7)

Die Taufe

Von Pastor Lic. iur. can. Clemens Bombeck, Prodekan des Ermländischen Konsistoriums

Taufe - Glasfenster in der Herz-Jesu-Kirche in Gladbeck-Zweckel von Dr. Egbert Lammers aus Werl, 1965			      Foto: Pastor Clemens Bombeck Fenster eines Hauses haben die Funktion, Licht in die Räume zu lassen und Regen, Sturm und Kälte fernzuhalten. Diesen Aufgaben dienen auch Kirchenfenster. Doch haben sie darüber hinaus noch einen weiteren Zweck: Sie sind Botschafter. Sofern sie nicht einfach nur Glasgrafik sind, laden sie den Betrachter ein, ihre Botschaft zu ergründen. Ob es nun die Fenster und Rosetten in den mittelalterlichen Kathedralen oder die Fenster von Marc Chagall in Mainz sind, Kirchenfenster üben eine besondere Faszination auf den Betrachter aus. Wer beim Gang durch eine Kirche die bunten Fenster betrachtet, staunt immer wieder, wie herrlich sich das Sonnenlicht in dem bunten Glas bricht und den Raum in eine besondere Atmosphäre eintaucht. Geht jemand in der dunklen Jahreszeit an einer im Inneren beleuchteten Kirche vorbei, schaut er unwillkürlich zu den bunten Fenstern hinüber, die ihm entgegenleuchten. Jedesmal wird dem Betrachter deutlich: Kirchenfenster leuchten und verkünden. Vielleicht ergeht es so auch manchen Besuchern der Herz-Jesu-Kirche in Gladbeck-Zweckel.

Seit Mai 1995 bin ich zunächst als Pfarrer und seit September 2007 Pastor der Herz-Jesu-Gemeinde; ihr gehören heute rund 7.000 Katholiken an. Ich lade Sie, liebe Leserinnen und Leser, herzlich ein, mit mir durch die Herz-Jesu-Kirche zu gehen und sich mit mir die Fenster anzuschauen. Vielen von Ihnen bin ich im Laufe der vergangenen Jahre begegnet. Dabei haben Sie mir manches aus Ihrem Leben erzählt. Das hat Spuren in meinem Leben hinterlassen. Mit diesem kleinen Artikel möchte ich Sie ein wenig an meinem Leben Anteil nehmen lassen, indem ich Sie mit in „meine“ Kirche nehme.

Wer die Zweckeler Herz-Jesu-Kirche betritt, wird unwillkürlich von dem großen Hochaltar, der in seinem Kern über 350 Jahre alt ist, in den Bann gezogen. Er ist ohne Zweifel der Blickpunkt dieser 1912-1915 errichteten Kirche. Nach einer gewissen Weile aber wandern die Augen des Besuchers dann nach oben und nach rechts und links, hin zu den bunten Fenstern. Vielleicht staunt er über ihre Farbenpracht und noch mehr über ihre eigenwillige Gestaltung. Sofort erkennt man: Diese Fenster sind neueren Datums. Der renommierte Künstler Dr. Egbert Lammers aus Werl hat sie 1965 entworfen. Beim Gang durch die Kirche sieht der Besucher zunächst die Glasmalereien im Hauptschiff. Ihr durchgängiges Thema: die Sakramente der Kirche, die im Leben der katholischen Kirche von herausragender Bedeutung sind. Sechs der sieben Sakramente sind dargestellt, das zentrale Sakrament der katholischen Kirche - die heilige Eucharistie - ist nicht dargestellt; sie wird in dieser Kirche jeden Tag gefeiert. Jedes dieser sechs Fenster ist dreigeteilt. In der Mitte ist das mit einem Rundbogen betonte Fenster; rechts und links davon sind kleinere, rechteckige Fenster. Sodann ist im rechten Querschiff in einem ebenfalls dreiteiligen Fenster Jesus in seiner Passion dargestellt. In dem Fenster gegenüber ist Maria, die Mutter Jesu, zu sehen - zum einen als „Mutter der Schmerzen“, zum anderen als erste von Gott Erlöste. Die übrigen Fenster der Herz-Jesu-Kirche sind nicht thematisiert; sie sind lediglich Glasgraphik.

Schauen wir uns nun das Fenster an, das sich mit dem Sakrament der Taufe beschäftigt.

Neben dem Gelb (= Gold), das für Gott steht, fällt in diesem Fenster das Blau besonders auf. Im mittleren Teil kommt wie bei der Taufe Jesu im Jordan der Heilige Geist in Gestalt einer Taube herab. Er durchdringt mit seinem Licht das Wasser. Aus der Farbenlehre ist bekannt, daß die Farben Gelb und Blau sich zum Grün verschmelzen. Wo Gott sich mit seiner Schöpfung verbindet, da erblüht neues Leben. Auf dieses neue Leben weisen die Pflanzen in den beiden Seitenfenstern hin. Der getaufte Mensch ist von Gottes Geist und Leben erfüllt; er ist durch die Taufe zu einer neuen Schöpfung geworden.

Wer sich dieses Fenster nur anschaut im Sinne einer Kunstbetrachtung, wird sich vielleicht von der künstlerischen Darstellung beeindrucken lassen. Ich sehe dieses Fenster gern an mit der Botschaft, die uns die Kirche verkündet - bei unserer eigenen Taufe oder bei der Taufe eines Kindes. Aus der Höhe ist der Heilige Geist auf mich herabgekommen. Er hat mich mit seinem Licht durchdrungen. Ich, der ich ganz irdisch, sterblich bin, wurde von IHM erfüllt, so daß ich durch Wasser und Geist eine neue Schöpfung bin. Gottes Leben keimt in mir. Durch die Taufe befähigt mich der göttliche Geist, ganz ER - Christus - zu sein in meinem Leben. Ich bin ganz ER, wenn ER in mir wirkt und aus mir lebt. ER wirkt in mir, wenn ich bin wie ER: Liebe. Die Wirkung der Taufe ist Christsein! Christsein verwirklicht sich in der Nachfolge dessen, dessen Namen ich trage und was ich durch die Salbung mit dem heiligen Chrisam bin: ein Christ. Ich bin Liebe, wenn diese Liebe sich Tag für Tag verwirklicht in meiner lebendigen Beziehung zu IHM und in der sich verschenkenden Liebe an jedem Nächsten. Wie Christsein aus dem Geist der Taufe gelebt werden kann, zeigt sich an den Heiligen, deren Namen wir seit unserer Taufe tragen.




zurück


zum Anfang 


Weitere Themen






















































































Zuletzt geändert: 8. Januar 2016
© 2016 by Visitator Ermland®