Ermlandbriefe (4/2008)
Katechismus-Ecke - Weihnachten 2008


Die Tiere gehören zur Krippe

Die Augenzeugen von Betlehem

Von Pfarrer i. R. Hubert Meik

Liebe Schwestern und Brüder!

Weihnachten 1223, drei Jahre vor seinem Tod, geht Franz von Assisi mitten in der Heiligen Nacht nach draußen in den Wald. Die Leute folgen ihm in Scharen auf dem Weg in die Nacht: Jung und Alt, Frauen und Männer, viele Arme, aber auch Wohlhabende - ein langer Zug mit Fackeln und Kerzen.

Ungewöhnlich, was draußen vor der Stadt Greccio geschieht: Mitten im Wald wird ein Stall hergerichtet und die Krippe, mit Heu und Stroh, das Kind darauf, Maria und Josef, ein lebendiger Ochs und ein lebendiger Esel. In der Christmette singt Franz als Diakon das Evangelium und deutet vor der Krippe das Geheimnis der heiligen Nacht, die Konsequenzen und die Verbindlichkeit des Weihnachtsgeschehens.

Der Brauch, die Geburt Christi ins Bild zu setzen, ist allerdings wesentlich älter, denn schon in den ersten Jahrhunderten sind solche Darstellungen in den Katakomben gefunden worden.

Franziskus ist in jener heiligen Nacht nach draußen gegangen, in den Wald. Nicht, um der Kirche den Rücken zu kehren. Er hat die Kirche geliebt. Er hat verfallene Kirchen wieder aufgebaut. Aber er will in dieser Nacht der Schöpfung ganz nahe sein, dicht bei den Pflanzen und Tieren. Darum dürfen Tiere an der Krippe nicht fehlen.

Dass die Tiere zur Krippe gehören, haben schon die Weihnachtsengel angedeutet: Die Freude, die sie verkündeten, galt ja nicht nur allem Volk, sondern auch aller Welt, also auch der Tierwelt. Da sind zunächst Ochs und Esel. Schon im Alten Testament finden wir einen Hinweis für ihre Anwesenheit, und zwar bei Jesaja 1, 3: „Ein Ochs kennt seinen Besitzer, ein Esel die Krippe seines Herrn, Israel aber hat keine Erkenntnis…“

Nach einem späteren Propheten kommen aus dem Hintergrund auch die Kamele der Weisen aus dem Morgenland hervor. Und überall wimmelt es von Schafen der Hirten. Alle diese Tiere gehören zu Weihnachten, weil sie uns je auf ihre Art und Weise eine einfache Weihnachtspredigt halten können: Sie sind uns Menschen gegenüber erstaunlich treu. Haben wir doch alle unsere guten Erfahrungen mit Haustieren. Deswegen lieben wir sie auch, und das mit Recht. Auch im Leben Jesu haben Tiere einen Platz. Sind sie doch gottgewollte Geschöpfe und ein Geschenk an uns Menschen. In einer Weihnachtsgeschichte „Der Esel von Bethlehem“ lesen wir von einem „Augenzeugen“, der alles aus nächster Nähe miterlebt - nämlich vom Esel, der Maria und Josef zur Volkszählung begleitet hat und den es nun furchtbar ärgert, dass er Futter und Unterkunft mit jemandem teilen muss, den er so gar nicht recht ausstehen kann: mit einem Ochsen. „Wer wie der Ochs seinen Herrn und wie der Esel die Krippe seines Herrn kennen will, der muss sich wie diese Tiere in seine unmittelbare Nähe begeben und sich seiner Ausstrahlung, der Atmosphäre, die von ihm ausgeht, aussetzen.“ (Kemper)

Auf der Flucht nach Ägypten hat ein Esel das Kind begleitet. Am Palmsonntag hielt Jesus auf einem Esel Einzug in seine Stadt. Das will doch sagen: Tiere sind ihm wichtig. Ihre Treue kann uns ansprechen, motivieren. Wie sie treu zu uns stehen, so ähnlich, natürlich anders, sollten wir zu unserem Gott stehen, der uns begleiten will auf den Wegen unseres Lebens, da, wo wir uns freuen und wo wir weinen, da, wo wir leben, lieben, leiden und sterben.

Eine besinnliche und gesegnete Advents- und Weihnachtszeit!




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Zuletzt geändert: 8. Januar 2016
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