Ermlandbriefe (2/2008)
Katechismus-Ecke - Pfingsten 2008


Ein offenes Glaubensbekenntnis

Das Fronleichnamsfest

Von Pfarrer i. R. Rüdiger Hinz

Es war am Fronleichnamsfest im Jahre 1937 in der ermländischen Kreisstadt Heilsberg. Die große Prozession – heute nach wie vor eine gute katholische Sitte, sollte ebenso statfinden. Der Schreiber dieser Zeilen weiß, dass heute manche Christen das anders sehen. Wir sollten froh sein, dass heute macher gute Brauch wieder leben kann.

Doch was hat das mit Heilsberg zu tun? Die Prozession wurde auf „höhere Anordnung“ gesprengt. Viele Fahnen wurden den jungen Männern, die diese trugen, aus den Händen gerissen. Die seien verboten, wurde gesagt.

Es kam – ähnlich wie im Jahre 1933 bei dem großen Kolping-Tag in München – zu vielen Schikanen. Für mich ist es erstaunlich, dass von den Vorfällen in München ich damals als siebenjähriger Junge gehört hatte.

Das „Heilsberger Ereignis“ war damals in jeder Gemeinde Tagesgespräch. In der folgenden Nacht wurden die vier Priester, die in der Pfarrseelsorge standen, verhaftet wegen „Landfriedensbruchs“, sagte man damals. Gleichzeitig wurden etwa sechs Jugendliche verhaftet. Zu ihnen gehörte auch Otto Harwardt, der treue Helfer von Diözesanpräses Josef Lettau. Gegen vier Geistliche wurden Freiheitsstrafen von ein bis drei Jahren verhängt, gegen die Laien von fünf Monaten bis zu einem Jahr. Wenigstens drei von diesen Priester wurden aus Ostpreußen ausgewiesen – wie später Propst Kather aus Elbing, unser Kapitularvikar 1947 – 1957.

Ich schreibe das bewußt, damit solche schlimmen Tatsachen nicht vergessen werden. Als Pfarrer und Religionslehrer bin ich in den letzten Jahren Menschen begegnet, die glaubten, man hätte das ganze anders anfangen sollen.

Und ich erinnere mich noch, dass in allen Gemeinden des Ermlands die verhängten Gefängnisstrafen bekanntgegeben wurden und die Gläubigen um ihr Gebet für die Inhaftierten gebeten wurden. Und was ich heute noch weiß: Unser Religionslehrer Studienrat Paul Englick erzählte uns, seinen Schülern, vom „Priesteralltag im Gefängnis“.

Was hat denn nun das alles mit der Fronleichnamsprozession zu tun? Das Fest „Fronleichnam“ kommt von einer Vision der seligen Juliana von Lüttich her. Die Prozession wurde im 13. Jahrhundert eingeführt. Eine große und gute Sitte. Die erste Prozession am Fronleichnamsfest wurde in Köln gehalten, die zweite Prozession im westfälischen Warburg. Eine Prozession ist kein magisches Medium, sondern Zeichen des Glaubens an Christus im Zeichen der hl. Eucharistie. Hinzu kommt, dass – heute nicht mehr üblich – Fronleichnam acht Tage lang als Oktav, verbunden mit einer einfachen Prozession, gefeiert wurde. Christus als Mitte der Schöpfung war ein wesentlicher Gedanke. Es mag heute ein offenes Geheimnis sein, dass viele von uns Fronleichnam nicht mehr so ernst nehmen, wie das in den vergangenen Zeiten war. Alles, was an Aufwand, an Vorbereitung und Blumenschmuck getan wird, ist ein Zeichen unseres Glaubens. Und dieser Glaube trägt uns auch dann, wenn dem Anschein nach das alles nicht so wichtig ist.

Das Beispiel ist nicht übertrieben. In einer modernen religiösen Zeitschrift wurde allen Ernstes vorgeschlagen, an Fronleichnamstag anstelle der Prozession auf dem Platz vor der Kirche die Gemeinde zum Erbsensuppe-Essen einzuladen. - Wenn man an einem Pfarrfamilienfest so vorgehen würde, dann wäre das etwas anderes.

Das Wort „Eucharistie“, das aus der Urkirche stammt, soll ja ein Zeichen des großen Dankes sein, den der Christ, also wir alle, Gott schuldig sind. Und Fronleichnam ist ein offenes Glaubensbekenntnis. Der Christ ist ja von Gott dazu aufgerufen, seinen Glauben in Gemeinschaft zu bekennen.

Es ist gewiss so, dass wir älteren am Fronleichnamstag oft daran denken, wie das früher „zu Hause“ war. Und doch geht es um die Mitte unseres Glaubens. Auch heute gibt es zahlreiche gute Vorschläge für die Gesatltung der Prozession.

Bischof Maximilian schrieb in seinem ersten Hirtenbrief an die heimatlos gewordenen Ermländer: „Werdet lebendige Glieder Eurer Pfarrgemeinden“. Und ein wenig von diesem lebendigen Glauben sollten wir uns alle erbeten - miteinander und füreinander.




zurück


zum Anfang 


Weitere Themen






















































































Zuletzt geändert: 8. Januar 2016
© 2016 by Visitator Ermland®