Ermlandbriefe (1/2008)
Katechismus-Ecke - Ostern 2008


Verklärt ist alles Leid der Welt

Der Tod und die Hoffnung

Von Pfr. i. R. Rüdiger Hinz

In ein paar Tagen werden wir Ostern feiern. Die Vorbereitung auf dieses Hochfest der Kirche will ich mit einer Geschichte beginnen, die mir damals, als ich noch relativ jung war, begegnet ist.

Ich war damals Vikar und Religionslehrer in einer Kleinstadt. Zu meiner Aufgabe gehörte auch der Religionsunterricht in der dortigen Berufsschule.

An eine Klasse der KFZ-Lehrlinge erinnere ich mich noch heute gut. Es war während der Zeit des großen Konzils in Rom (1962 – 1965). Es gab eine große Diskussion mit den etwa dreißig Jungen über den Sinn dieser wichtigen Versammlung. Viele Jungen beteiligten sich daran. Einer – ich nenne ihn Bernhard – hörte zu, sagte aber nicht viel. Dann meldete er sich: „Herr Vikar, eines haben die Bischöfe noch vergessen: Die Lieder im Gesangbuch ab der Nummer 325 müssten alle auf den Index gesetzt werden. (Unter „Index“ verstand man eine heute nicht mehr bestehendes Verzeichnis kirchlicher Texte, die nicht so gut waren.) Erstaunt fragte ich ihn: „Bernhard, wie kommst Du denn darauf?“ Antwort: „Schauen Sie sich mal die Texte von den Totenliedern an. Ich singe da nicht mit.“ Und dann ging es weiter: „Also, falls ich sterben sollte, dann ist zu singen: ‚Verklärt ist alles Leid der Welt, die Gräber sind vom Glanz erhellt. Der Tod hat keinen Stachel mehr; gebunden liegt das Höllenheer‘ (Anmerkung: Der Text stammt aus der alten Fassung im Gotteslob, Nr. 220, 2 - Paderborner Gesangbuch Nr. 234, 9). Das war die Aussage eines damals 15-jährigen Jungen! Ich wusste, dass er Messdiener war und nicht in der heute häufigen „religiösen Schonzeit“ steckte.

Ob Bernhard gewußt hat, was kommen sollte? Einige Monate nach dieser Diskussion musste er aus einer Ferienfreizeit nach Hause geholt werden. Seine Schilddrüse war stark angeschwollen. Die Ärzte rieten zur Operation und sagten, dass es nicht gut aussehe mit Bernhard. Er starb in der Woche nach der Operation.

Mein Pfarrer, der die Familie gut kannte, und ich gingen zu den Eltern und Brüdern und da geschah für die damalige Zeit etwas Ungewöhnliches. Ich erzählte den Eltern von dem Gespräch als Bernhard die Totenlieder auf den Index setzten wollte. Die Mutter fragte darauf: „Können wir das in der heiligen Messe genauso machen? Er hat die Osterlieder immer gern gesungen.“ Die Frage wurde sofort mit „Ja“ beantwortet. Osterlieder bei einer Beerdigung sind kein Überspringen einer ernsten Sache. Es ist ein Trost, wenn man weiss, dass hier der Glaube Erfüllung gefunden hat.

Und die Lehre der Kirche, dass der Tod nicht das Letzte ist, sagt uns mehr als man - auch heute – nur zu oft über das Geheimnis vom Tod und Leben hört.

„Im Tod steht jeder einzelne vor Gott. Er wird über sein Leben Rechenschaft ablegen müssen. Im persönlichen Gericht wird Gott darüber urteilen. (...) Vor Gott gilt nicht, ob einer im Leben Erfolg oder Ansehen hatte; ob einer nach dem Urteil der Menschen ein Gerechter oder Sünder war. Gott richtet und urteilt nicht nach den Maßstäben der Menschen. Er sagt den Menschen aber, worauf es ankommt: sie sollen Gott aus ganzem Herzen lieben; sie sollen sein Wort hören, es befolgen und seinen Auftrag redlich erfüllen; sie sollen einander lieben, wie Christus die Menschen geliebt hat.“ (Aus: Botschaft des Glaubens, Seite 365)




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Zuletzt geändert: 8. Januar 2016
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