Ermlandbriefe (3/2007)
Katechismus-Ecke - Sommer 2007


Wer euch hört, hört mich!

Der ungelesene Liebesbrief

Von Pfr. Rüdiger Hinz

In einer Buchhandlung einer Universitätsstadt entdeckte ich eine Broschüre mit dem Titel: Der ungelesene Liebesbrief.

Wenn man als Pfarrer einen solchen Titel sieht, wird man neugierig. Als ich das Heft für einen geringen Preis erworben hatte, stellte sich heraus, dass als Liebesbrief Gottes Wort an die Menschen gemeint ist. Der Titel mag wie ein Reißer aussehen; falsch ist er nicht. Der mir nicht bekannte Verfasser wollte – was ich verstehe – die Menschen für die Heilige Schrift interessieren. Denn die Bibel handelt an unzähligen Textstellen von der Botschaft, dass Gott uns alle liebt. Wenn die Texte von den Evangelisten als Frohe Botschaft, Evangelium, bezeichnet werden, so ist um so mehr zu erkennen, dass das Wort Gottes eine Botschaft ist, die den Menschen umwandeln und erneuern will. In diesen Texten steckt manche verborgene Kraft, die den Menschen immer wieder aufrüttelt, wachsam zu sein.

Wenn wir heute im Religionsunterricht oft erfahren, dass manche Aussagen der Bibel unseren jungen Menschen nicht ausreichend bekannt sind, so wäre es ein Fehler, die Texte der Bibel nur als frommes Gerede auszulegen.

Die Bibel ist für uns nicht nur ein Buch mit frommen Geschichten, sondern ein Zeichen von der Größe der Liebe, die Gott den Menschen schenkt. Nur der vermag diese Texte zu verstehen, der nicht weiß, dass Liebe mehr ist. So wie sich zwei junge Menschen, die sich liebhaben, den anderen annehmen, so wissen sie, dass es nicht um das eigene Ich geht, sondern darum, die Grenzen der eigenen Persölnlichkeit zu überschreiten. Ebenso wäre es nicht gut, Texte der Bibel als frommes Gerede oder gar als Belustigung abzutun.

Jesus sagt: „Wer euch hört, hört mich. Wer aber mich hört, hört den, der mich gesandt hat.“ Bei der Lektüre der biblischen Texte begegnen wir Ihm und seiner Botschaft. Wenn es gute katholische Sitte ist, bei der Verkündigung des Evangeliums zu stehen, so soll dieses ein Zeichen der Ehrfurcht vor dem heiligen Text sein. Dabei soll nicht verschwiegen werden, dass manche Aussagen der Heiligen Schrift oft nicht gründlich durchdacht werden. Erfahren wir nicht, dass auch manche Vorhersage aus dem Alten Testament etwas von dem uns in Christus geschenkten Heil immer wieder etwas zum Ausdruck bringt? Die katholische Kirche hat seit dem letzten Konzil die Bedeutung des Gotteswortes immer wieder in den Vordergrund gestellt. Das ist eine der entscheidenden Aussagen vom kirchlichen Verständniss der Botschaft Gottes an die Menschen.

Es ist nicht notwendig, alle biblischen Texte auswendig zu können. Es ist aber notwendig, die Ehrfurcht vor dem Wort Gottes Tag für Tag ernst zu nehmen.




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Zuletzt geändert: 8. Januar 2016
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