Ermlandbriefe (3/2006)
Katechismus-Ecke - Sommer 2006


Niemand kann zwei Herren dienen!

Ganz in Gott

Von Pfarrer Rüdiger Hinz

„Niemand kann zwei Herren dienen! (...) Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon!“ (Mt 6, 24) Es war – soweit ich mich erinnere, der dänische Philosoph und Theologe Sören Kierkegaard (19. Jahrhundert), der diesen Text als das schönste Kapitel aus dem Neuen Testament bezeichnet hat. Die Forderung, dass der Christ sich immer wieder entscheiden muss, ist kein schönes Gerede. Die Gefahr, immer wieder nur einem Herrn, und zwar dem falschen, dienen zu wollen, kann wohl kaum übersehen werden. Ein anderer Philosoph, Max Scheler (†1930), hat gesagt, der moderne Mensch habe das herkömmliche Gottesbild zerstört. Statt dessen habe er sich Götzenbilder geschaffen, beliebig viele. Und wenn z. B. in den letzten Wochen gelegentlich in den Medien vom „Fußballgott“ die Rede war, so ist genau das mit der Aussage vom Götzenbild gemeint. Und Götzen sind von Menschen geschaffen; sie vergehen, sie können nicht bleiben. Gott aber ist ewig. „Wie Du warst vor aller Zeit, so bleibst Du in Ewigkeit.“ Gott ist ewig. Er steht über der Zeit. Er hat keinen Anfang und kein Ende. (Botschaft des Glaubens, Nr. 118)

Das „Eine, Notwendige“, wie Jesus in seiner Begegnung mit Martha formuliert, wird oft vergessen. Niemand soll sagen, dass dieses bei ihm selbst nicht möglich sei.

Eine kurze Zwischenüberlegung für uns Ältere: Erinnern wir uns noch an die schlimmen Formen der Vergötzung damals in der Zeit des „Totalen Staates“? Gewiss, wir waren damals im Zeitalter des Personen- und Fahnenkultes entsetzt. Wir sollten aber nicht vergessen „Niemand kann zwei Herren dienen“!

„Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.“ (Mammon ist ein aramäisches Wort und bedeutet soviel wie Reichtum, Besitz). Jesus hat mit dieser klaren Aussage auf die große Gefahr hingewiesen, Geld, Vermögen und Reichtum zum Götzen zu machen. Nun fordert das Evangelium gewiss nicht, alle Dinge dieser Welt zu missachten. Wir sollten aber um die rechte Wertordnung wissen. Haben nicht fast alle von uns in den Notjahren nach dem Zweiten Weltkrieg lernen und erfahren müssen (oder dürfen?), was für uns Christen wichtig und was eigentlich ganz unwichtig ist?

Die Gefahr, die Werte des Lebens und der Wahrheit auf den Kopf zu stellen, ist auch heute groß; dabei sollen die Probleme unserer Zeit nicht missachtet werden. Es gibt aber Dinge, die von uns nur mit Ja oder Nein beantwortet werden können. Die heute übliche Vokabel „Jein“ kennt das Christentum nicht. „Suchet zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit; und alles andere wird euch dazugegeben werden.“ Mit diesen Weisungen beendet Jesus den von Matthäus berichteten Text aus der Bergpredigt.

Die Entscheidung für das Reich Gottes setzt eine klare Wertordnung voraus. Gottes Reich geht vor. Jesus fordert nicht mehr, als dass der Christ ihm Vertrauen schenke: „Alles andere wird euch dazugegeben werden.“

Seien wir ehrlich. Diese Aufforderung ist nicht ganz einfach. Doch sie setzt voraus, dass der Christ sich ganz Gott überlässt. (Auch unser heutiges Gesangbuch, das „GOTTESLOB“, entstanden nach dem Konzil, fordert dieses Urvertrauen des Christen, z.B. im Lied Nr. 291: „Wer unterm Schutz des Höchsten steht, im Schatten des Allmächtgen geht, wer auf die Hand des Vaters schaut, sich seiner Obhut anvertraut“)

Auch wenn es gewiss nicht einfach ist, sich der Fügung und Führung Gottes immer wieder anzuvertrauen, das Wagnis des Glaubens allein schenkt Sicherheit und Geborgenheit.

Der Münsteraner Philosoph Peter Wust (†1940), überzeugter katholischer Christ, sagt in seinem Abschiedswort an seine Studenten: „Ich befinde mich in absoluter Sicherheit.“

Eine solche Haltung kann nur erbetet werden, anders geht es nicht.




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Zuletzt geändert: 8. Januar 2016
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