Ermlandbriefe (2/2005)
Katechismus-Ecke - Pfingsten 2005


Das Fest der Heiligen Eucharistie

Das Hochfest Fronleichnam

Von Pfarrer Rüdiger Hinz

In den vor uns liegenden Wochen feiern wir katholischen Christen Fronleichnam. Das Wort stammt aus dem Mittelalter und bedeutet schlicht "Leib des Herrn". Dieses Hochfest - wie man heue sagt - der heiligen Eucharistie ist erst im 13. Jahrhundert entstanden. Eine Ordensfrau, die selige Juliana von Lüttich, gab nach einer Vision ihrem Bischof die Anregung, zu Ehren der hl. Eucharistie ein besonderes Fest zu feiern. Kurze Zeit später wurde der Archidiakon von Lüttich zum Papst gewählt (Urban IV.). Im Jahre 1264 schrieb der Papst das Fest für die Weltkirche vor. Der Brauch, die Messfeier an diesem Festtag mit einer Prozession zu verbinden, entstand in den folgenden Jahren. Die erste Fronleichnamsprozession in Deutschland fand etwa 1274 in Köln statt. Die Sitte verbreitete sich sehr schnell. Weil in Köln sich die Dominikaner um die Feier dieses Festes kümmerten, wurde die Sitte der Prozession durch diesen Orden besonders gepflegt. So ist z.B. in der westfälischen Kleinstadt Warburg, wo die Dominikaner bis gegen Ende des 20. Jahrhunderts ein Kloster hatten, schon bald nach der Einführung in Köln auch eine solche Prozession gute Sitte geworden, die ähnlich wie in anderen Städten ihren Weg entlang der alten Stadtgrenze nimmt.

Dass man die Fronleichnamsfeier nicht mit dem Gründonnerstag, dem Tag der Einsetzung der hl. Eucharistie, verbunden hat, ist auf praktische Gründe zurückzuführen.

Was hat denn Fronheichnam den katholischen Christen unserer Zeit zu sagen? Wir verkennen nicht, dass auch diese Feier heute oft hinterfragt wird. Zunächst muss gesagt werden, dass die Deutung dieses Festes in erster Linie nichts mit einer Demonstration oder Ähnlichem zu tun hat. Der Christ des Mittelalters hatte ein anderes Verständnis der hl. Eucharistie. Man empfing die heilige Kommunion nur selten und legte statt dessen großes Gewicht auf das Schauen der hl. Hostie. Man lese z.B. den Text des vom hl. Thomas von Aquin im 13. Jahrhundert verfassten Sakramentsliedes im Gotteslob (Nr. 546) nach: "Gottheit tief verboren betend nah ich Dir". So entstand auch die Sitte, den Herrenleib in einem besonderen, kostbaren Gefäß zu zeigen oder zu tragen (Monstranz).

Es kann nicht übersehen werden, dass die Akzentsetzung bei der Verehrung der hl. Eucharistie sich ein wenig verschoben hat. Es ist richtig, wenn wir heute, nach dem letzten Konzil, die hl. Eucharistie wieder stärker als Mahl sehen und daraus Folgerungen ziehen.

Ein weiterer Sinn der Fronleichnamsprozession war, Gottes Segen auf die Erde, die Früchte des Feldes und des Gartens und nicht zuletzt auch auf die einzelnen Gemeinden herabzurufen. Die an den einzelnen Stationen vorgetragenen Fürbitten sind auch in den heute üblichen sprachlichen Formen ein Zeichen dafür. (Hier sei angemerkt, dass die Sitte der vier Stationen zu Fronleichnam in Deutschland entstanden ist und auch heute nicht überall praktiziert wird.)

Dass mit der Gestaltung der Fronleichnamsprozession zahlreiche gute Volksbräuche verbunden sind, ist eine gute Sache. Nur sollte man diese Sitten und Bräuche auch erklären und begründen können. Und doch sind Fahnen, Girlanden, Trachten und andere schöne Dinge nicht unbedingt entscheidend. Denn im Mittelpunkt steht Christus der Herr. Er ist die Mitte unseres Glaubens! "In unserer Mitte schlug ein Zelt - zur Wohnung auf der Herr der Welt" haben wir im Ermland gesungen.

Eine Prozession hat aber noch einen weiteren Sinn: Wir sind unterwegs! Der gemeinsame Gang durch die Straßen und Felder ist ein Zeichen für unsere irdische Pilgerschaft. Und für den Christen bedeutet das, dass er auf dem Wege zu Gott ist. Jede Prozession , an welcher wir ganz bewusst teilnehmen, ist ein "Näher, mein Gott, zu Dir".

Fronleichnam ist auch ein Zeichen der lebendigen Gemeinschaft der Kirche. Da kommt es nicht auf die Dinge an, die wir für wichtig halten und die doch so unwichtig sind (welche Wegstrecke? Welche Lieder? Welche Garderobe? usw.), sondern darauf, dass wir uns als "wandernde Kirche" begreifen. Die Gemeinde Jesu Christi hat neben vielen anderen Möglichkeiten auch die Prozession als ein Zeichen ihres Glaubens.

Wir Älteren haben noch in Erinnerung, wie das war, als Fronleichnam verboten war. Und in den ersten ermländischen Hauskalendern, die nach dem Krieg herausgegeben wurden, finden wir zwei Berichte von der Fronleichnamsprozession in Heilsberg im Jahre 1937, als die Gestapo die Prozession wegen angeblich verbotener Fahnen sprengte. Man sollte solche Ereignisse, die noch keine 100 Jahre zurückliegen, nicht vergessen.

Und nicht zuletzt: Wichtiger als die Prozession ist die Mitfeier der hl. Messe. Dass wir Sonntag für Sonntag und an den Feiertagen um das Geschenk des Herrn wissen. Dass wir nie die Mitfeier der Heiligen Eucharistie zur Routine werden lassen. Dass wir nie vergessen: Unser Christsein, unser "Kirche-Sein" ist Gabe und Aufgabe zugleich.




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Zuletzt geändert: 8. Januar 2016
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