Ermlandbriefe (3/2004)
Katechismus-Ecke - Sommer 2004


Per Mariam ad Jesum

Mariä Himmelfahrt

Von Pfarrer Rüdiger Hinz

"Mariä Himmelfahrt", besser gesagt, "Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel" ist ein spezifisch katholisches Fest. Und so gut es ist, dass wir heute viele Fragen unter dem Gesichtspunkt der Ökumene zu beantworten suchen, so wäre es eine unzulässige Verkürzung, wenn wir dieses Fest, das von der Kirche heute als "Hochfest" bezeichnet wird, beiseite schieben würden.

Wer weiß noch, dass unser Dom in Frauenburg am 15. August sein Patronatsfest feierte, obwohl der Patron unseres Bistums der hl. Apostel Andreas war?

Wir wollen an dieser Stelle nicht auf die teilweise schweren Auseinandersetzungen hinweisen, die vor etwa 50 Jahren nach der Verkündigung des Dogmas von der Aufnahme Mariens vor allem in Deutschland entstanden sind. Der Schreiber dieser Zeilen sieht in diesem Dogma keine theologische Spitzfindigkeit, sondern das dankbare Bekenntnis, dass in der Person Mariens ein sterblicher Mensch allein durch Gottes Gnade bereits das Heil in Fülle erfahren durfte.

Mit diesem hohen Marienfest ist aber noch ein anderer Gesichtspunkt verbunden. In Maria hat Gott sein großes Jawort zu uns Menschen gesprochen. Und in der Botschaft dieses Festtages spricht Gott auf neue Weise sein Ja zur Schöpfung. Die Sitte der Kräuterweihe und der in zahlreichen Gemeinden damit verbundenen Prozessionen hat nur für den oberflächlich denkenden Menschen nichts mit der Botschaft des Festtages zu tun. Dabei wissen wir natürlich, dass um dieses Marienfest auch manche Legende entstanden ist. Eine Legende aber ist nicht Glaubenslehre der Kirche. So berichtet eine solche Legende, dass nach der Bestattung Mariens die Jünger Jesu das Grab leer vorgefunden haben sollen; es seien nur duftende Blumen zu finden gewesen. Doch das alles ist Legende ...

Eine weitere Botschaft des hohen Marienfestes ist das Wissen um die Berufung zur endzeitlichen Vollendung des Christen. Selbstverständlich steht die Osterbotschaft im Mittelpunkt unseres Glaubens und unserer Verkündigung.

Doch die Botschaft, dass Maria – etwas kühn formuliert - "ihr" Ostern bereits erfahren durfte, sagt wesentliches für das Selbstverständnis des Christen aus. - Nebenbei gesagt: Nach der Reformation im 16. Jahrhundert sind die meisten Marienfeste in den protestantischen Gemeinden – das Wort "evangelisch" wurde erst im 19. Jahrhundert geprägt – noch bis zur sogenannten Aufklärung, also dem Ausgang des 18. Jahrhunderts, beibehalten worden, wenn auch von Gegend zu Gegen recht unterschiedlich.

Die Welt ist immer in Gefahr, dass sie die Verbindung mit Gott unterschätzt und vernachlässigt, dass ihr dadurch der Strom des Lichtes und der Kraft versiegt, ohne den sie in Ohnmacht und Finsternis hineintaumelt. Was die vielfache Not unserer Tage – gemeint ist nicht nur die materielle Not und die große Arbeitslosigkeit – überwindet, ist das bewußte Leben aus dem Glauben, ist die Bindung an Gott.

Der erste Kapitularvikar unseres Bistums nach dem Tode von Bischof Maximilian, Prälat Arthur Kather, hat das einmal so formuliert: "Wenn wir uns nicht mehr zu Füßen Christi setzen können, dann werden wir einmal den Boden unter unseren Füßen verlieren und ins Bodenlose fallen."

Hier ist die Persönlichkeit der Gottesmutter uns Vorbild und Hilfe; hier ist sie das Bild des glaubenden und sich Gott ganz anvertrauenden Menschen. Es mag unmodern sein, in unserer Zeit von Maria zu sprechen und zu schreiben. Wer das Bild der Mutter des Herrn recht versteht, wird gewiss in manchen Fragen und Problemen Antwort finden.

Der Schreiber dieser Zeilen ist jetzt im Alter Seelsorger in einem Dorf, in welchem schätzungsweise mehr als 100 Marienbildnisse zu finden sind. Und vor wenigen Jahren wurde in privater Initiative sogar eine allgemein zugängliche Marienkapelle an einer Landstraße errichtet. Es beeindruckt auch den konstruktiv kritischen Christen, dass die Bevölkerung ungeachtet aller Unvollkommenheiten und Schwächen das Bild Mariens immer wieder in Ehren hält.

Das ist auch heute noch in vielen Dörfern so. Und wir wollen gern anerkennen, dass in der Heimat unserer Väter das Andenken Mariens ebenso heilig gehalten wird. Könnte es nicht sein, dass manche Formen religiöser Gleichgültigkeit, die wir ebenso sehen und bedauern, daran liegt, dass wir das Bild der Gottesmutter nicht mehr so in Ehren halten, wie das früher der Fall war?

"Per Mariam ad Jesum" - durch Maria zu Jesus - liest man an manchen Marienbildern, z. B. in Lourdes oder am Gnadenbild in Schönstatt. Es gibt auch hier viele Wege und Weisungen in unterschiedlichen Formen. Alle Wege aber führen auf die Fürbitte Mariens hin zu der Mitte unseres Glaubens, zu Jesus Christus, dem Gekreuzigten und Auferstandenen.




zurück


zum Anfang 


Weitere Themen






















































































Zuletzt geändert: 8. Januar 2016
© 2016 by Visitator Ermland®