Ermlandbriefe (3/2003)
Katechismus-Ecke - Sommer 2003


Zeichen des Glaubens

Das Ewige Licht

Von Pfarrer Rüdiger Hinz

Von Pfarrer i. R. Rüdiger Hinz

Es war im März des Jahres 1945. Nach einer – wie bei unzähligen Menschen abenteuerlichen Flucht waren meine Eltern und ich in der Stadt Husum in Nordfriesland gelandet.

Was wir von der damals noch kleinen Diasporagemeinde wussten, war nicht viel. Mein Vater schickte mich auf Erkundungstour, um festzustellen, ob in der Stadt – wie das Telefonbuch aussagte – eine katholische Kirche sei. Nach einigen vergeblichen Wegen fand ich die Straße, in welcher sie liegen sollte. Doch – obwohl selbst in der Diasporagroßstadt Königsberg aufgewachsen – ich fand sie zunächst nicht. Und dann fand ich einen für die damalige Zeit recht modernen kleinen Bau; der Turm war nicht besonders groß, gefiel aber. Die Dämmerung des Vorfrühlingstages brach herein. Ob das die Kirche war?

Als ich den Raum betrat, erkannte ich sofort das brennende Ewige Licht. Nun wusste ich sicher: Hier bist du zu Hause – trotz allem.

Und ein weiteres: In der unbeleuchteten Kirche knieten vorn einige Menschen und beteten den Rosenkranz. Und dann erklang das Lied, das in unserem heimatlichen "Lobet den Herrn" sprachlich und musikalisch ebenso zu finden war: "Maria breit den Mantel aus, mach Schirm und Schild für uns daraus ..."

Es geht hier nicht um meine persönliche Lebensgeschichte. Es geht um erheblich mehr. An diesem Abend – war es Fügung? – kamen zwei wesentliche Zeichen unseres Glaubens zum Ausdruck. Das Heilszeichen der Eucharistie ist das eine.

Der Kirchentag in Berlin hat unbeschadet unzähliger guter Glaubenszeugnisse gezeigt, dass hier eine spezifisch katholische Seite unseres Glaubens liegt. Versuche, den Glauben an die Gegenwart des Herrn auf den "kleinsten gemeinsamen Nenner" zu bringen, führten zu nichts. Im Ermland sangen wir: "In unserer Mitte schlug ein Zelt zur Wohnung auf der Herr der Welt". Sprachlich mag dieses Lied kein Kunstwerk sein; wichtiger ist, dass dieses Lied für uns Ermländer ein ganz besonderes Glaubenszeichen war. (Im Erzbistum Paderborn kennt man auch dieses Lied mit etwas verändertem Text und veränderter Melodie.)

Die Verehrung der heiligen Eucharistie hat eine sehr lange Geschichte. In der Urkirche bewahrte man den Leib des Herrn auf, um den Kranken jederzeit die heilige Speise reichen zu können. In der Ostkirche ist das heute noch so. Nach und nach entwickelte sich der Brauch, die hl. Eucharistie unabhängig von der Messfeier zu verehren.

Die Monstranz – heute ein ganz besonderes Zeichen unseres katholischen Glaubens – kam als Zeigegefäß erst zu Beginn des Mittelalters auf. Und die Fronleichnamsfeier geht auf eine Vision der heiligen Juliana von Lüttich ( 1258) zurück. Die Sitte einer feierlichen Prozession entstand anschließend; in Deutschland fand die erste Art dieser Feier in Köln statt; alsbald folgte die katholische Gemeinde in der westfälischen Stadt Warburg, wahrscheinlich durch die Verbindung, die zwischen den Dominikanerklöstern in Köln und Warburg bestand. (Die offiziellen Fronleichnamstexte, die ganz systematisch gestaltet sind, werden dem heiligen Dominikaner Thomas von Aquin, einem Heiligen des 13. Jahrhunderts, zugeschrieben.)

Im Laufe der Zeit sind sicher auch Formen der eucharistischen Frömmigkeit entstanden, die den eigentlichen Sinn des Sakramentes verdunkelt haben. Die recht verstandene Lehre des letzten Konzils hat manche Akzente wieder richtig gesetzt. Z. B. ist die in Deutschland früher üblich gewesene Messfeier vor dem zur Anbetung ausgesetzten Allerheiligsten nicht mehr gestattet, eine Regelung, die auch mehr konservativ eingestellte Gläubige einsehen sollten.

Die tiefste Verehrung der heiligen Eucharistie ist der Empfang der heiligen Kommunion. Wenn heute manche Religinsbücher vom "heiligen Mahl" sprechen, so halte ich diese Formulierung für zu schwach. Für uns katholische Christen ist Kommunion der gläubige Empfang des Leibes unseres Herrn. Kommunion heißt in unserer Muttersprache "Gemeinschaft", Gemeinschaft mit Jesus Christus und dadurch Gemeinschaft untereinander. Es ist zu wenig, in diesem Geschehen nur einen Akt der Gemeinschaft zu sehen, der die Mitmenschlichkeit fördern soll.

Der katholische Katechismus "Botschaft des Glaubens" sagt: "In der Messe, dem Herrenmahl, wird das Volk Gottes zu einer Gemeinschaft unter dem Vorsitz des Priesters, der Christus in seinem Tun repräsentiert, zusammengerufen, um die Gedächtnisfeier des Herrn, das eucharistische Opfer, zu begehen."

Dieser lange Satz mag etwas umständlich klingen; er sagt aber alles aus, was für uns katholische Christen wesentlicher Bestandteil unseres Glaubens ist. Damit bekunden wir auch unseren Respekt vor denen, die dieses Zeichen anders sehen und deren Überzeugung wir achten. Wir halten aber die heute weithin gewünschte Vermischung der unterschiedlichen Lehren nicht für vertretbar. Andererseits halten wir es für gut, dass die Botschaft des Gotteswortes heute mehr in den Mittelpunkt gerückt worden ist. Hier ist in vielen Bereichen echte Ökumene möglich, die wir wahrscheinlich noch gar nicht alle ausgeschöpft haben.

Ich komme zurück auf das eingangs geschilderte Erlebnis in der kleinen Diasporakirche zu Husum. Das brennende Ewige Licht, das der Besucher der Kirche erkennt, ist das Zeichen des Glaubens an die Gegenwart des Herrn. Das ist das eine Zeichen katholischen Glaubens.

Das zweite Zeichen, die Verehrung der Gottesmutter, soll in der Weihnachten-Ausgabe der Ermlandbriefe angesprochen werden. Obwohl im Laufe der Jahrhunderte hier auch der eine oder andere falsche Akzent gesetzt worden sein mag, so sollte ein katholischer Christ das Geheimnis im Leben Marias immer wieder betrachten. Denn durch die Mutter finden wir zum Sohn. Er ist die Mitte, er allein!




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Zuletzt geändert: 8. Januar 2016
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