Ermlandbriefe (2/2003)
Katechismus-Ecke - Pfingsten 2003


Auch ihr sollt Zeugnis ablegen

Das Sakrament der Firmung

Von Pfarrer Rüdiger Hinz

"Auch ihr sollt Zeugnis ablegen, weil ihr von Anfang an bei mir seid!" (Joh 15, 27) Dieses Wort aus den so genannten Abschiedsreden Jesu, die uns der Evangelist Johannes berichtet hat, begründet das Sakrament der Firmung. Es gibt wohl kaum ein Sakrament, das im Laufe der Geschichte so unterschiedlich gedeutet worden ist, wie die Firmung. Was heisst das - Zeugnis geben? Darunter versteht man nichts anderes, als dass der Christ verpflichtet ist, seinen Glauben in Freiheit zu bekennen. Natürlich ist hier nicht ein blinder Fanatismus gemeint. Glaube ist aber auch nicht eine Geheimwaffe. Glaube fordert, dass wir zu Christus stehen und in jeder Situation uns an Sein Wort halten. Wir älteren Menschen wissen noch, dass das in der dunklen Zeit des Nationalsozialismus nicht immer einfach war. Und heute ist der offenen Feindschaft die große Gleichgültigkeit gewichen. "Was ist denn so wichtig, dass ich meinen Glauben kund tun soll?"

Am 4. Mai 2003 hat der Seligsprechungsprozess für Bischof Maximilian Kaller begonnen. Diese Tatsache erinnert mich an den Tag meiner Formung durch ihn am 17. 10. 1937 in Königsberg, St. Adalbert. In seiner Predigt schilderte der Bischof die Geschichte eines Jungen aus seiner früheren Pfarrgemeinde in der Großstadt Berlin. Der Junge wurde, so berichtete der Bischof, geschlagen, weil er sonntags zur heiligen Messe ging. Und er gab nicht auf. Bis eines Tages die Eltern mitgingen...

In der Urkirche wurde die Firmung unmittelbar nach der Taufe gespendet. Bei den orthodoxen Christen ist das heute noch so. Die Trennung von Taufe und Firmung hat sich erst im 11. Jahrhundert durchgesetzt. Das für die Firmung als erforderlich angesehene Lebensalter wurde seit eh und je unterschiedlich angesetzt. (Ein deutscher Weihbischof meinte, der Streit um das "richtige" Firmalter werde wohl erst mit dem Jüngsten Tage zu Ende sein.)

Zeichen der Firmung war von Anfang an die Handauflegung durch den Spender und die Salbung mit vom Bischof geweihten Chrisam, einer Mischung aus Olivenöl und Balsam. Das Zeichen der Handauflegung soll sagen, dass Gott seine Hand auf den jungen Christen legt, ähnlich wie bei der Taufe und bei der Priesterweihe. Die Salbung ist das Zeichen der Kraft Gottes, die dem Christen geschenkt wird. Der Bischof oder der zur Spende der Firmung besonders beauftragte Priester spricht dazu: "Sei besiegelt durch die Gabe Gottes, den Heiligen Geist!" Der Friedenswunsch des Bischofs schließt sich an.

Ein in den letzten Jahrzehnten erschienener Katechismus sagt: "Die Feier der Firmung geschieht für jeden nur einmal im Leben. Aber ein Leben lang soll er immer neu dem Heiligen Geist Raum geben, ihn immer neu aufnehmen und von ihm erleuchtet und gestärkt leben und wirken."

Bei uns in Deutschland hat sich in der letzten Zeit die Firmvorbereitung durch die Gemeinde durchgesetzt. Das hat den Vorteil, dass der junge Christ sich bewusst machen soll, dass das Zeugnis der Gefirmten immer in einem besonderen Bezug zur Kirche und zur einzelnen Pfarrgemeinde zu stehen hat. Es ist richtig, dass die Firmungsfeier heute als Fest der Gemeinde gesehen wird. Und es ist gewiss gut, dass in vielen Gemeinden die Firmung nicht mit all den gut gemeinten, aber nicht erforderlichen Sitten verbunden ist, die sich bei der Feier der Erstkommunion eingeschlichen haben. Es kommt aber immer auf das "eine Notwendige", wie Christus selbst gesagt hat, an.

Wir halten es für eine nicht gute Entwicklung, dass die Firmung im Laufe der Geschichte nur eine Nebenrolle gespielt hat. Und wir finden es gut, wenn hier trotz aller Probleme und Krisen, die wir heute beklagen müssen, ein Neuansatz richtig ist. Es ist auch gut, wenn heute der Entscheidungscharakter der Firmung stärker betont wird. Und doch wird auch dieses Sakrament nach wie vor "Saat auf Hoffnung" bleiben...

Man spricht heute gern von der "Mündigkeit des Christen". Das kann missverstanden werden. Das soll nämlich nur heissen, dass der einzelne Christ in seinem Tun und Lassen selbst entscheiden muss, dass diese Entscheidung aber immer am Gebot Gottes ausgerichtet werden muss. Dass das nicht immer ganz einfach ist, wissen wir alle. So gilt zuerst und zuletzt das Wort des HERRN. "Ihr sollt Zeugnis ablegen". Nur eine Kirche, eine Gemeinde, die aus diesem Geiste lebt, kann es wagen, sich christlich zu nennen.




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Zuletzt geändert: 8. Januar 2016
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