Ermlandbriefe (4/1997)
Katechismus-Ecke - Weihnachten 1997


Wir sind für die Anbetung da!

Der einzig wahre Weg

Von Pfarrer Siegfried Liedmann

Über die Magier aus dem Osten berichtet uns das Evangelium: "Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm." (Mt. 2,11) Die Glaubensgeschichte der Menschheit erlaubt es, von zwei Typen von Menschen zu sprechen: Die einen sind Gottessucher, "Himmelsforscher", die anderen sind "Herodestypen", beinharte Ichmenschen, die nichts gelten lassen, was ihrer Herrschaft im Wege steht. Zu welchem Typ gehören wir? Auf welchen Typ hin entwickelt sich unser Leben?

Von den Gottsuchern sagt die Weihnachtsgeschichte: Sie (die Magier aus dem Osten) haben Ihn gefunden. Diese Magier waren vielleicht persische oder arabische Priester, die sich viel mit Astronomie und Sterndeutung beschäftigt haben. Der unendliche Sternenhimmel hatte es ihnen angetan, denn er ist wie ein Bild des uner-forschlichen Gottes: Stille, Schweigen, unendliche Weiten, ewiges Gesetz der Sternenbahnen, unerforschliche Zusammenhänge, Dunkel und Licht.

Wer hat das alles geschaffen? Und was bedeutet es? Seit jeher waren unter den Himmelsforschern viele ehrfürchtige Menschen, denn sie erkennen den Sternenhimmel als Werk aus Gottes Hand. Die Dunkelheit des nächtlichen Himmels ist für sie wie ein Symbol für die Dunkelheit des Lebens.

Als gläubige Menschen sind wir auch "Himmelsforscher", die den Himmel suchen. Wir erhoffen das ewige Licht, das uns einmal leuchten soll. Der Stern des Glaubens wird uns führen. Und wenn wir Gott gefunden haben, dann werden auch wir von großer Freude erfüllt sein. Wie die Sterndeuter - dann wird auch unser Ziel erreicht sein.

Das stärkste Kennzeichen einer echten Gottesbegegnung ist die Anbetung. Sie ist das Höchste, dessen der Mensch überhaupt fähig ist, wenn wir uns vor dem Unermeßlichen wissen, dann wollen wir unsere Knie vor Ihm beugen, uns neigen und klein werden. Vor dem Erhabenen versagt jedes Wort, nur das Herz betet. Vor seiner Fülle vergehen wir, wir wissen um unsere Nichtigkeit und daß wir nur Staub sind. Wir beten an, denn wir ahnen das Geheimnis des Unaussprechlichen, des Grenzenlosen, der Quelle von allem.

"Sie fielen nieder und huldigten Ihm." Mit dem Wort "huldigen" ist jene Anbetung gemeint, die nur Gott allein gebührt und sich im innersten Herzen vollzieht. Wer anbetet, der will sich hingeben. Und deshalb auch die Hingabe von symbolischen Geschenken. Vor der Weihnachtskrippe möge uns die Frage beschäftigen: Bete ich an? Nehme ich Gott ernst? Ist er mein Zentrum? Beuge ich vor Ihm mein Herz und meine Knie?

Und nun zum zweiten Typ, den Herodes-menschen. Herodes fürchtet die Konkurrenz des Messiaskönigs und die Beeinträchtigung der eigenen Herrschaft. Deswegen will er das Kind töten. Das ist ein Symbol: Wer nur sich (allein) kennt, wird ein mörderischer Mensch und ein Lügner dazu. In perfekter Verstellung wünscht Herodes die Suche nach dem Königskind, um selber Ihm zu huldigen.

Aber es ist Lüge. Wer nur sich kennt, wird verlogen, um das eigene Böse zu verdecken . Wer nur sich kennt, der macht sich selber zum "Gott dieser Welt" (hl. Paulus) und kann keinen anderen Gott neben sich brauchen. Deshalb verdrängt jeder "Herodes" den wahren Gott. Er will ihn töten, verfolgen oder wenigstens unschädlich machen.

Die heilsame Wahrheit um den guten Gott tut uns not. Die Wahrheit um jene Wirklichkeit, die hinter den sinnenhaften Dingen liegt, Gott ist diese tiefste Wirklichkeit. Ist diese Wahrheit nicht allen bekannt? Wissen denn die Menschen nicht um Gott, um Gut und Böse, um Sinn und Verantwortung?

Wenn ja, müßten sie dann nicht anders leben? Haben die Menschen in unseren Breitengraden sich nicht einen "Gott" gemacht, den sie nicht anbeten müssen, der ihnen nicht wehtut, der an ihrem verkehrten Leben nichts ändern will?

Aber ist das der wahre Gott? Der russische Erzähler L. Tolstoi hat die Gotteserkenntnis des Menschen verglichen mit der Erkenntnis eines Neugeborenen. Es "kennt" seine Mutter, denn es ruht in ihren Armen und spürt ihre Wärme. Das ist gewiß wenig, und dennoch enthält dieses Geringe die ganze Wirklichkeit.

Ein prophetisches Rufen zur Umkehr wäre heilsam. "Kehrt um!" Ihr lebt und denkt verkehrt. Nur einer bleibt für immer: der Ewige! Ihn wollen wir an uns heranlassen! Er ist uns vielleicht nicht nahe, weil wir vor Ihm fliehen! Wir sperren Ihn hinaus aus unserem Leben, damit Er uns nicht stört bei unserem verkehrten Tun!

Ein engherziges Ichdenken ist gefährlich. An den Folgen der Ichsucht kann man ersticken. Gottessucher, Himmelsforscher wollen wir sein. Wir wollen Ihm huldigen. Wir beten an!




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Zuletzt geändert: 8. Januar 2016
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