Ermlandbriefe (1/1996)
Katechismus-Ecke - Ostern 1996


Zum Himmel vergewaltigt?

Kommt alle zu mir

Von Prälat Johannes Schwalke , Apostolischer Visitator Ermland

Er wollte uns wohl Mut machen. Dabei vergaloppierte er sich. Er berief sich auf Hans-Urs von Balthasar, der die unendlich große Barmherzigkeit Gottes so groß machte, daß die Hölle leer bliebe. Dann aber kam die Frage eines Hörers: Leugnen Sie damit nicht die Freiheit des Menschen? Wenn das so sein sollte, daß die Hölle dank der Barmherzigkeit Gottes leer bliebe, wo bleiben dann die Menschen, die sich - doch freiwillig - gegen Gott entscheiden?

Sicher ist wichtig zu bedenken: Dum spiro, spero! - Solange ich atme, hoffe ich!

Keiner kann sichere Auskunft über die letzten Sekunden eines Menschenlebens geben. Aber Menschen, die in der Unbuß-fertigkeit verharren, die sich endgültig gegen Gott entschieden haben und dabei bleiben, können nicht erwarten, daß sie singen dürfen: "Wir kommen alle, alle, alle in den Himmel..."

Gott liebt die Freiheit der Menschen. Er achtet sie so, daß er sie nicht aufhebt, auch wenn die Menschen sich gegen ihn erheben. Es gehört zu den erschütterndsten Erkenntnissen der Menschen, daß Gott die Freiheit nicht aufhebt, auch wenn der Mensch sie mißbraucht. Im ersten Korin-therbrief zählt der hl. Paulus Leute auf, die nicht das Reich Gottes erben: Ungerechte, Unzüchtige, Götzendiener, Ehebrecher, Weichlinge, Männerschänder, Diebe, Habgierige, Trunksüchtige, Lästerer und Räuber.

Auch im Galaterbrief gibt es einen der sogenannten "Lasterkataloge" des Neuen Testamentes. Paulus sagt: "Alle, die dergleichen tun, werden das Reich Gottes nicht erben" (Gal 5,19-21).

Jesus Christus, der wesensgleiche Sohn des Vaters im Himmel, ist einer von uns geworden. Er tritt für uns Sünder ein. Seine am Kreuz ausgebreiteten Arme sprechen die Sprache der Einladung der Kirche wie die Colonnaden des Petersplatzes in Rom. "Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken." Die Menschen bleiben frei, die Einladung anzunehmen oder nicht. Wie ernst das ist, erzählt Matthäus im 25. Kapitel seines Evangeliums. Der Kehrvers des Gerichtsbeispiels heißt: "... das habt ihr mir getan."

Und viele erinnern sich, was zählt, was unter Umständen den Weg in den Himmel oder in die Hölle bereitet: Hungrige speisen, Durstige tränken usw. - Tun oder nichttun.

Die Freiheit ist etwas Herrliches. Sie kann uns den Himmel bereiten, sie kann uns verloren sein lassen.

"Wir danken Dir, Herr Jesus Christ, daß Du für uns gestorben bist. Ach, laß Dein Blut und Deine Pein an uns doch nicht verloren sein. Heilige Mutter, drück die Wunden, die Dein Sohn für uns empfunden, tief in meine Seele ein."




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Zuletzt geändert: 8. Januar 2016
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