Ermlandbriefe (4/1995)
Katechismus-Ecke - Weihnachten 1995


Verwirrung, Unsicherheit und Zweifel

Wo ist Bethlehem?

Von KR Dr. Gerhard Reifferscheid †

Mit eiligen Schritten strebt das zweite Jahrtausend seinem Ende entgegen! Die Weihnachtsfeiern seiner letzten Jahre lassen uns nachdenken: Was haben wir mit dem Geschenk der Gegenwart unseres Herrn in dieser Welt gemacht? Verwirrung, Unsicherheit und Zweifel treiben unsere Gläubigen um. Umfangen von vielen Erscheinungen des Niedergangs in unseren Bistümern, schauen wir voll Erwartung und Hoffnung auf das Fest der Geburt unseres Herrn aus. Bei unserem Nachdenken wird uns bewußt, daß es im Ablauf der geschichtlichen Fakten kein Ereignis gibt, welches an Bedeutung und umwälzender Gewalt an das Faktum der Menschwerdung unseres Herrn heranreicht. Beruhigend konnte da wirken, daß wir mit allen Gläubigen und Ungläubigen zusammen die Jahre zählen nach der Geburt Jesu Christi. Alle müssen zugeben und werden angestoßen, daß das Eingreifen Gottes in den Ablauf der Geschichte aller Völker Fundament geworden ist zum Messen und Werten der kurzen Lebensspanne aller Erdenbürger.

Damals vor zweitausend Jahren wurden denkende und überlegende Menschen unruhig und schauten auf die Zeichen ihrer Zeit und bemühten sich, diese zu deuten. Einer der ganz Großen war damals der heidnische Dichter Vergil. In seiner vierten Ekloge (Preisgesang) ruft er die Bewohner des Römischen Weltreiches auf, die Geburt eines Kindes zu erflehen, welches das Zepter der Weltregierung in die Hand nimmt und einen ewigen Frieden verheißt. Nicht zu Unrecht gab der bedeutende Konvertit und Philosoph Theodor Hacker dem ebengenannten Dichter den Namen "Vater des Abendlandes".

Wie am Anfang des ersten Jahrtausends erwarteten die Menschen am Ende dieses ersten Jahrtausends und zu Beginn des zweiten, vor allem die gläubigen Herrscher und Beter im Römischen Reich Deutscher Nation, gewaltige Ereignisse und Aufgaben. So traf sich in Rom Kaiser Otto III. mit seinem Freund Bischof Adal-bert und konferierte über die Missionsziele, welche ihnen die noch heidnischen Völker Europas aufgaben. Adalbei ts Weg und Mission bei den Prußen war die Folge dieser römischen Gespräche und das Weihnachtsgeschenk an die baltischen Völker. So bemühte sich jedes Jahrtausend im Sinne des Herrn, die Zeichen der Zeit zu deuten und Gottes Willen zu erfüllen. Nicht die Kleinkariertheit heutiger Kirchenzerstörer beherrschte damals die Überlegungen der Verantwortlichen. Statt Evangelium (Frohbotschaften) ist heute Drohbotschaft modern: Priesterweihe für Frauen und Zölibat "ja" oder "nein"!

Das Ziel aller überzeugten Christen war, die Freudenbotschaft der Erlösung allen Menschen mitzuteilen, um sie teilnehmen zu lassen an der Menschenfreundlichkeit Gottes, den Willen und die Ratschläge Jesu zu verbreiten, so daß eine Vielzahl von neuen Gemeinschaften und Orden wie Pilze auf dem Boden des Abendlandes erwuchs, die Gabe der Sexualität als Gottesgeschenk zu pflegen und zu verwalten und um des Himmelreiches willen arm, keusch und gehorsam zu leben. Am Abend des zweiten Jahrtausends erleben wir auch heute das Wachsen neuer Gemeinschaften in der Nachfolge Jesu Christi, seine Legionäre in Münstereifel, die "Schwestern und Brüder Mariens2 in Schönstatt, die "Katholischen Pfadfinder Europas", die "Jugend 2000"!

Wo ist Bethlehem?

Kennen wir die vielen Christen, die ohne Geschrei und ohne "Kirchenvolksbegehren" sich am Altare, der Geburtsstätte Jesu heute, in Stille gläubig einfinden und hier das dritte Jahrtausend vorbereiten? Gibt es eine schönere Krippe für den menschgewordenen Gottessohn als den Altar? Gehen wir ins Ermland und schauen uns die Krippe in Springborn und in der Franziskanerkirche in Allenstein an. Hier waren wir in Bethlehem in der Feier der Christmette! Hier konnte der ruhelose und geplagte, von Ängsten bedrohte Mensch des zweiten Jahrtausends Ruhe, Trost und Antrieb finden! Unser Vorsatz für das dritte Jahrtausend christlicher Geschichte lautet: Unser Weg ist der Weg der Hirten, der Magier, aller Gottsuchenden und das Ziel, die Geburtsstunde Christi auf unseren Altären in der Feier der heiligen Messe! Gnadenreiche Weihnachten allen Ermländern hier und in der alten Heimat und in allen Ländern der Erde, besonders den Kranken, den Missionaren, Missionsschwestern und Theologen in der Vorbereitung der Gelübde und der Weihe!




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Zuletzt geändert: 8. Januar 2016
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