Ermlandbriefe (2/1995)
Leitartikel und
Katechismus-Ecke - Pfingsten 1995


Enzyklika unseres Heiligen Vaters

Evangelium vom Leben

Von Prälat Johannes Schwalke , Apostolischer Visitator Ermland

So beginnt das große Weltrundschreiben (= Enzyklika) unseres Heiligen Vaters. Wie wünschte ich, alle Ermländer machten sich Zeit, dieses umfangreiche, über 200 Seiten lange Schreiben zu studieren und sich zu eigen zu machen. Der vollständige Text liegt allen Mitgliedern der Bischofskonferenz am Tag der Unterzeichnung vor, 25. März 1995 - Verkündigung des Herrn. Eine Geste der Kollegialität des Papstes zu den Brüdern im Bischofsamt.

Nach der Zusendung über Nuntiatur und Sekretariat der DBK (Deutsche Bischofskonferenz) finden wir den vollständigen Text auch in "Deutsche Tagespost" vom 1. April 1995 (97070 Würzburg, Juliuspromenade 64) und in "L'Osservatore Romano" vom 31. März 1995 (Schwabenverlag AG, 73745 Ostfildern)

Das Leben, von Gott gegeben, ist unverfügbar - vom Augenblick der Empfängnis an bis zum Augenblick des Todes.

Schon das Datum der Unterzeichnung ist Programm der Enzyklika: 25. März, genau neun Monate vor dem 25. Dezember - auch das Leben des Gottessohnes Jesus begann im Schoß seiner Mutter Maria, neun Monate vor seiner Geburt, empfangen durch den Heiligen Geist. Der Papst ruft auf zur Pflege einer Kultur des Lebens, die gegen die Kultur des Todes unserer Tage aufzurichten ist.

Das Rundschreiben begleitet mit dieser Kultur, d. h. "Pflege" des Lebens, alle Phasen der menschlichen Existenz: Zeugung, Empfängnis, Schwangerschaft, Geburt, Krankheit, Unheilbarkeit, Greisenalter, Sterben, Tod.

Wie Gott sagt die Kirche JA zum Leben im ganzen Umfang.

Bei der Vorstellung des Katechismus der katholischen Kirche in internationalen Priestertagungen in Köln und Augsburg spricht der Philosoph Reinhard Löw aus Hannover vom JA zum Leben in der so viel diskutierten Frage der Geburtenplanung:

"Und schließlich die ,Pille‘, nach der natürlich jeder Rezensent sucht. Auch hier wird enttäuscht, wer erwartet, die katholische Kirche verließe die Überzeugung der meisten Hochreligionen, jedenfalls aber diejenige, die im Christentum vom ersten Jahrhundert an galt und im Protestantismus in den zwanziger Jahren dieses Jahrhunderts aufgegeben wurde, daß nämlich die absichtliche Unfruchtbarmachung des Beischlafs mit einer angemessenen Anthropologie der Sexualität ebenso unvereinbar sei wie die lustlose Herstellung von Menschen in der Retorte. Was gegenüber früheren Katechismen neu ist, beruht auf den Erkenntnissen über die Perioden der Fruchtbarkeit. Eine sich diesen anpassende vorübergehende sexuelle Enthaltsamkeit erkennt die Kirche als legitimes Mittel verantwortlicher Geburtenplanung an." (Klaus M. Becker / Jürgen Eberle [Hrsg.], Der neue Katechismus der Katholischen Kirche, Verlag Erzabtei, D-86941 Ottilien, Reihe Sinn und Sendung 8, ISBN 3 - 88096 - 878 - 0)

Die Enzyklika widerspricht der sogenannten "Kultur" des Todes, die gekennzeichnet ist mit den Begriffen: Empfängnisverhütung, Abtreibung, Euthanasie, Tötung, Mord.

Das Nein zum Leben ist erschreckend vielfältig in unseren Tagen. Die Signale deuten hin auf ein neues Kommen einer vergleichbaren Lebensverachtung und damit Menschenverachtung, wie sie totalitären Regimen der Vergangenheit zu eigen war.

Der Papst tritt für die Unantastbarkeit des menschlichen Lebens ein mit Formulierungen, die auf seine Lehrvollmacht in voller Höhe hindeuten, wie sie sonst nur unfehlbaren Lebensentscheidungen zukommt. Das läßt ahnen, wie groß der Hl. Vater die Gefahr für das Leben in unseren Tagen sieht, auch bei bevorstehenden Gesetzesentscheidungen der Staaten.

Es sieht so aus, als fürchte der Papst ungerechte Gesetze, die Millionen von Kindern schon im Mutterleib den Tod und Millionen unheilbar Kranken ein verfrühtes Ende bereiten könnten.

Die Wachsamkeit aller Katholiken, Christen, besonders der verantwortlichen Politiker, ist gefordert, die bedrohliche "Kultur des Todes" zu stoppen.

Hier grüße ich die jungen Familien, die aus der GJE herangewachsen sind. In einer Runde in Helle nehmen sie meine humorige Feststellung: "Fast alle mein Gewächs", mit der Aufforderung auf, eine Familientagung zu halten, die "Gewächs-Tagung" genannt werden soll.

Unter den 90 Teilnehmern der Ostertagung sind etwa 26 Kinder. Die Lebensdaten reichen von unter einem Jahr bis zu Großmüttern und Großvätern. Clemens und Agnes blühen auf in der Freude über diese frohe und lebensvoll-lebendige Ermlandfamilie in der Helle. Hier ist Kultur des Lebens - trotz Gefährdung und Sorgen.

Der Geist des Herrn stärke sie alle, vom kleinen "Frosch" Veronika über die liturgische Expertin Christiane, mit den Männern vom Fach, den Behlau-Söhnen bis zur Mutter Ermland "Christel", dem genesenen "weltlichen" Gerhard, dem umsichtigen Kommandanten der Sakristei, und dem "geistlichen" Gerhard, froh, zeitlos, trotz seiner acht Jahrzehnte und manchen über-standenen "Anklopfens des Herrn".

Hanna und Luzia glänzen beim Tanz und bei den Kniebeugen, hoffnungsvolle Töchter von Doris und Gabriele, Christoph und Ulrich.

Der alte A.V.E (Apostolischer Visitator Ermland) kommt ins Schwärmen, dem Simeon und der Anna des Lukas-Evangeliums vergleichbar.

Alle Gaben des Heiligen Geistes, allen, die dies mit Freude lesen, und allen Ihnen Anvertrauten.




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Zuletzt geändert: 8. Januar 2016
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