Ermlandbriefe (1/1995)
Katechismus-Extra


"Herr, ich bin nicht würdig..."

Kommunion als Konsumgut?

Von Regina Herrmann

Bei der Diskussion um den Kommunionempfang der "wiederverheirateten Geschiedenen" sollten Gläubige wissen und Priester nicht aus dem Bewußtsein verlieren, daß es bei der Kommunion um das Höchste, das Heiligste und Kostbarste geht, was die katholische Kirche von Christus geschenkt bekommen hat und Priester an Gläubige weiterschenken dürfen, so sie im Stande der Gnade sind.

Die Welt ist dabei, immer mehr Werte zu zerstören. Neben vielen anderen Werten werden Ehe und Zölibat der Priester ständig in Frage gestellt. Versprechen haben keine Gültigkeit mehr. Sie sind wertlos geworden. Dort, wo noch ein Versprechen den Bund zusammenhält, wird nicht darauf Rücksicht genommen, daß das Gewissen einer Frau, eines Mannes einem anderen verpflichtet ist.

Jetzt wird unter dem Deckmantel der inneren Not versucht, den Bund, den Christus mit seiner Kirche eingegangen ist, in Frage zu stellen, ihn auszuhöhlen, zu berauben und zu zerstören.

Der gläubige, demütige Christ spricht vordem Empfang der Kommunion: "Herr, ich bin nicht würdig, daß du eingehest unter mein Dach, aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund." Der Demütige ist sich somit zwar seiner Sünden bewußt, bittet aber, daß Gott spricht. Er möchte auf ihn hören. Dagegen dünken manche Menschen, weil sie noch eine gewisse Schuld spüren, auf dem richtigen Weg zu sein, und nötigen den Priester, die Kommunion zu reichen. Die Haltung ist somit eine ganz andere. Sie besagt: "Priester (und auch Gott), tue, was ich will! Wenn nicht, trete ich aus der Kirche aus." Die Frage nach der Kommunion ist dann sowieso bedeutungslos geworden.

Für andere dürfte Kommunion kaum etwas anderes als Konsum sein, auf den man noch nicht verzichten möchte. Sie könnte immerhin das "Gewissen" beruhigen. Dabei ist diesem Menschen das Gewissen des Priesters, der die Kommunion reicht, gleichgültig. Sollte er aus Gewissensgründen die Kommunion verweigern, wird er angegriffen. Der Priester wird als nicht konform mit Christus hingestellt, weil er unbarmherzig sei und an der Not der Menschen vorbeigehe.

Wenn eine Forderung aufgestellt wird "Die Menschen müßten sich vor ihrem Gewissen prüfen, ob sie die Gemeinschaft mit Gott suchen dürften oder nicht", so ist das eine Forderung, die selbstverständlich ist, weil Christus uns die absolute Freiheit läßt, uns für ihn, ohne ihn oder gar gegen ihn zu entscheiden.

Menschen, die sich für Gott entscheiden, von Ihm Hilfe erwarten und Ihn suchen, haben keinen Grund, aus der Kirche auszutreten.

Christus selber wird sich diesen Menschen niemals entziehen, auch dann nicht, wenn sie ihm eine lange Zeit untreu gewesen sind. Ein Mensch, der wahrhaft darunter leidet, daß er die sichtbare Verbindung mit Christus in der Kommunion nicht bezeugen darf, lebt in communio mit Gott und niemand kann ihm diese Verbindung rauben. Der in Demut gehaltene Verzicht ist für Mitmenschen ein Gewinn, und Gott wird ihm alles vergelten.




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Zuletzt geändert: 8. Januar 2016
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